Wer wirbt mit dem Slogan: Wir sind Tag und Nacht für Sie da?
Genau. Der Bestatter. Denn gestorben wird immer. Und da auch Tote keine Zeit haben, braucht man eine zügige Abwicklung. Tag und Nacht.
Und? Auch richtig: Der Schlüsseldienst. Der ist Tag und noch lieber nachts für Sie da. Denn nachts, da kann er richtig abkassieren.
Richtig wäre auch: Rettungsdienst. Obwohl die wegen "nachts" durchaus meckern. Soll schon vorgekommen sein, dass jemand meinte, durch das Engagieren des Rettungsdienstes die Taxikosten zum Krankenhaus sparen zu können. Außerdem die Rohrreinigungsfirma und alles, worauf man nicht so gerne länger warten möchte.
Zu dieser illustren Truppe gesellt sich, seit letzten Freitag hochamtlich, auch die Mutter Kirche. "Tag und Nacht für Sie da" ist, zumindest nach Kardinal Marx, das neue Erkennungszeichen einer Kirche, die sich, wenn mich nicht alles täuscht, als Service-Institut profilieren soll. Wie das genau geschehen soll, hat er allerdings nicht gesagt. Nachtdienst im Pfarrbüro? Analog zum Krankenhaus eine Nachtsekretärin? Oder soll der Pfarrer höchstpersönlich Tag und Nacht ans Telefon gehen? Die besten rufen Samstagmorgen um 8 Uhr an, weil sie wissen möchten, wann die Vorabendmesse ist. Und wer mal so ein richtiges Brautpaar erlebt hat, nebst Weddingmanager und allem drum und dran und RTL und Traumhochzeit geprägt, der kommt, wenn er so richtig spurt, aus dem Kirchenservice gar nicht mehr raus.
Nun will ich ja durchaus nicht verschweigen, dass manche Kollegen sich rar machen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche müssen wirklich die Notbremse ziehen, sonst ziehen sie andere wegen Burn-Out aus dem Verkehr. Andere haben das Arbeiten nicht unbedingt erfunden. Aber diese zu motivieren geht sicherlich nicht mit forschen Parolen. Da wären ein paar mutige Überlegungen, wie es mit der kirchlichen Struktur weitergeht, vielleicht weiterführender. Wenn das Gefühl bleibt, man möchte doch möglichst alles beim alten lassen, ist das nicht unbedingt aktivierend. Und andere haben einfach resigniert, warum auch immer. Auf jeden Fall möge man Mark Twain nicht vergessen: Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.
Ich wüsste einen anderen Slogan, der ist zwar nicht unbedingt werbewirksam, aber wäre im Blick auf die kirchenpolitische Großwetterlage nicht der schlechteste:
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: Gerecht sein. Barmherzig und verlässlich sein. Demütig sein vor Gott.
Dienstag, 30. September 2014
Dienstag, 16. September 2014
Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an
"Die christliche Kirche scheint am Ende zu sein. Viele Gründe sprechen dafür. Die Zahl der Kirchenaustritte wächst. Die Geistlichkeit hat Nachwuchssorgen. Aus den eigenen Reihen häufen sich die Angriffe gegen die Kirche. Was wirft man ihr vor? Starr beharre sie auf ihren Privilegien und ihrer Macht; ihre Glaubenssätze seien überholt - andererseits: Sie passe sich zu sehr den Zeitströmungen an...."
Lange habe ich gebraucht, bis ich herausgefunden habe, aus welchem Jahr der Text ist, der einen Aufsatz des evangelischen Theologen Thielicke einleitet. 1976. Das sind bis heute 38 Jahre. Aber: "Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an."
Immerhin: Das Ende ist noch nicht eingetreten. Zwischen 1976 und 2014 ist viel passiert.
Viele Autoren haben viel, sehr viel Geld verdient, in dem sie die sogenannte Kirchenkrise analysiert, seziert, erörtert, beleuchtet, erklärt, verortet, sich ihr gestellt und vor allem differenziert haben (Differenzieren ist besonders gut, das wirkt gebildet und am Ende kommt dabei ein ganz anderes Problem heraus).
Bischöfe haben mutig, wild entschlossen und traurig zugleich das Ende der Volkskirche verkündet. Immerhin: Alle Pfarreien haben noch einen Pfarrer (tja, wer hätte das gedacht).
Im Borromaeum in Münster, dem Priesterseminar, werden inzwischen junge und nicht mehr so junge Männer aus halb Deutschland intensivst und mit hohem Betreuungsaufwand auf den Priesterberuf vorbereitet. Dennoch wirkt das Gebäude eigenartig leer. Vermutlich haben wir an der gleichen Stelle in zehn Jahren ein halb europäisches Seminar.
Ansonsten machen wir weiter wie bisher: Taufen Kinder von Eltern, die lange kein Kreuzzeichen mehr gemacht haben, schreiben brav die Kinder der 3. Klasse an, damit sie ein halbes Jahr später oft mit großen Aufwand ihre Erstkommunion feiern können, trauen, wen und wer auch immer sich anmeldet (vorausgesetzt: kirchenrechtlich gehts noch), halten es für erfreulich, wenn 50 % eines Jahrgangs sich firmen lässt - die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Leuten, die austreten, schreiben wir inzwischen einen längeren Brief und sind erstaunt, dass sie kaum reagieren, obwohl wir kaum mit einer Reaktion gerechnet haben.
Und wenn sie nicht gestorben sind ....
Lange habe ich gebraucht, bis ich herausgefunden habe, aus welchem Jahr der Text ist, der einen Aufsatz des evangelischen Theologen Thielicke einleitet. 1976. Das sind bis heute 38 Jahre. Aber: "Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an."
Immerhin: Das Ende ist noch nicht eingetreten. Zwischen 1976 und 2014 ist viel passiert.
Viele Autoren haben viel, sehr viel Geld verdient, in dem sie die sogenannte Kirchenkrise analysiert, seziert, erörtert, beleuchtet, erklärt, verortet, sich ihr gestellt und vor allem differenziert haben (Differenzieren ist besonders gut, das wirkt gebildet und am Ende kommt dabei ein ganz anderes Problem heraus).
Bischöfe haben mutig, wild entschlossen und traurig zugleich das Ende der Volkskirche verkündet. Immerhin: Alle Pfarreien haben noch einen Pfarrer (tja, wer hätte das gedacht).
Im Borromaeum in Münster, dem Priesterseminar, werden inzwischen junge und nicht mehr so junge Männer aus halb Deutschland intensivst und mit hohem Betreuungsaufwand auf den Priesterberuf vorbereitet. Dennoch wirkt das Gebäude eigenartig leer. Vermutlich haben wir an der gleichen Stelle in zehn Jahren ein halb europäisches Seminar.
Ansonsten machen wir weiter wie bisher: Taufen Kinder von Eltern, die lange kein Kreuzzeichen mehr gemacht haben, schreiben brav die Kinder der 3. Klasse an, damit sie ein halbes Jahr später oft mit großen Aufwand ihre Erstkommunion feiern können, trauen, wen und wer auch immer sich anmeldet (vorausgesetzt: kirchenrechtlich gehts noch), halten es für erfreulich, wenn 50 % eines Jahrgangs sich firmen lässt - die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Leuten, die austreten, schreiben wir inzwischen einen längeren Brief und sind erstaunt, dass sie kaum reagieren, obwohl wir kaum mit einer Reaktion gerechnet haben.
Und wenn sie nicht gestorben sind ....
Dienstag, 2. September 2014
Kinder
Eine ganze Seite widmet die Süddeutsche heute dem kinderfeindlichen Berlin. Lärmschutzmauern, die zwischen Skater-Plätzen und Edelresidenzen gebaut werden, Schilder, die vor einem Café verkünden, dass Kinderwagen nebst Inhalt und Schiebekraft nicht gern gesehen werden, Proteste gegen den Bau von Kitas, Hotelbesitzer, die dagegen klagen, dass eine Schulklasse sich in ihrer gediegenen Unterkunft drei Tage vergnügt, und derlei Untaten mehr.
Rückblick: Zu meiner Studentenzeit bat in der Petrikirche der stark genervte Pfarrer die lieben Eltern während der Predigt, sie mögen doch ein wenig darauf achten, dass ihr geschätzter Nachwuchs den Mittel- und Seitengang der Kirche nicht mit dem Nürburgring verwechselt, weil sie dort mit den mitgebrachten Autos scharfe Rennen fuhren, und gegen ihr brrrrrrrrruuuuummmmm waren die wohlgesetzten Worte des Predigers machtlos.
Das ist alles eigenartig. Das Wunschkind, geplant gezeugt, wird gemanagt, umhegt, umsorgt, Mama kämpft mit allen Mitteln dagegen, dass in der sorgsam ausgewählten Kita ja kein Erzieher (männlich) ihrem Nachwuchs die Windeln wechselt (er könnte ja, naja, man kann ja nie wissen - auch darüber berichtete die Süddeutsche ausführlich), selbst eindeutige Ungezogenheiten werden von Oma und Opa mit einem "ach ist der süß der kleine" belohnt, später droht Mama dem Lehrkörper mit dem Rechtsanwalt, weitere Aufzählungen überflüssig, weil völlig unappetitlich und gleichzeitig völlig realistisch.
Und der Hotelbesitzer (übrigens ein Vier-Sterne-Hotel), der die unterkunftssuchende Klasse 11 per Gerichtsbeschluss draußen vor der Tür halten will? Die gute Bude ist doch gerade erst vor zwei Jahren renoviert worden.
Ja, wir haben in manchen Kreisen eine massive Kinderfeindlichkeit. Das ist nichts schönzureden oder zu entschuldigen. Wir haben aber auch Kinder und Jugendliche, die außerordentlich apart oder gar nicht erzogen sind, was auf das Gleiche hinausläuft.
Eigentlich hat es das schon immer gegeben. Aber die meckernde Mieterin, deren und deren Pudel Mittagsschlaf gestört wurde, war die Ausnahme. Ebenso das verzogene Kind, für das Mama sich bis zum Direktor vorkämpfte, weil das zarte Wesen nicht behutsam genug (und natürlich völlig zu Unrecht) ermahnt worden war: All die gab es, aber eher selten. Und man lachte über sie.
Heute scheinen Ausnahmen die Regel zu werden.
Das folgende mag man jetzt getrost in den falschen Hals bekommen: Zu den regelmäßigen Gottesdienstbesucher/innen gehört eine Familie, deren fünftes Kind ich gerade getauft habe. Nummer eins ist einer der zuverlässigsten Messdiener (allerdings mit einer gehörigen Portion Frechheit), Nummer zwei schalkhaft fromm (eigenartige Mischung mit hoffungsvoller Prognose), Nummer drei kommt gerne mit seinem Dinosaurier in die Kirche und spielt stillvergnügt. Für den Fall, dass er nur noch vergnügt ist, gibt es einen präzise liebevoll-strengen Blick der Mutter. Das scheint zu genügen. Nummer vier und fünf sind noch eindeutig in der präekklesialen Phase. Vielleicht haben diese Kinder den großen Vorteil, dass sie nicht, einsam und allein, der Liebe ihrer Eltern und vier Großeltern ausgesetzt waren. Übrigens ist Papa kein Krösus. Sie kommen halt über die Runden. Nicht mehr und nicht weniger. Auch das scheint für Kinder optimal zu sein.
Manchmal geht's eben doch.
Rückblick: Zu meiner Studentenzeit bat in der Petrikirche der stark genervte Pfarrer die lieben Eltern während der Predigt, sie mögen doch ein wenig darauf achten, dass ihr geschätzter Nachwuchs den Mittel- und Seitengang der Kirche nicht mit dem Nürburgring verwechselt, weil sie dort mit den mitgebrachten Autos scharfe Rennen fuhren, und gegen ihr brrrrrrrrruuuuummmmm waren die wohlgesetzten Worte des Predigers machtlos.
Das ist alles eigenartig. Das Wunschkind, geplant gezeugt, wird gemanagt, umhegt, umsorgt, Mama kämpft mit allen Mitteln dagegen, dass in der sorgsam ausgewählten Kita ja kein Erzieher (männlich) ihrem Nachwuchs die Windeln wechselt (er könnte ja, naja, man kann ja nie wissen - auch darüber berichtete die Süddeutsche ausführlich), selbst eindeutige Ungezogenheiten werden von Oma und Opa mit einem "ach ist der süß der kleine" belohnt, später droht Mama dem Lehrkörper mit dem Rechtsanwalt, weitere Aufzählungen überflüssig, weil völlig unappetitlich und gleichzeitig völlig realistisch.
Und der Hotelbesitzer (übrigens ein Vier-Sterne-Hotel), der die unterkunftssuchende Klasse 11 per Gerichtsbeschluss draußen vor der Tür halten will? Die gute Bude ist doch gerade erst vor zwei Jahren renoviert worden.
Ja, wir haben in manchen Kreisen eine massive Kinderfeindlichkeit. Das ist nichts schönzureden oder zu entschuldigen. Wir haben aber auch Kinder und Jugendliche, die außerordentlich apart oder gar nicht erzogen sind, was auf das Gleiche hinausläuft.
Eigentlich hat es das schon immer gegeben. Aber die meckernde Mieterin, deren und deren Pudel Mittagsschlaf gestört wurde, war die Ausnahme. Ebenso das verzogene Kind, für das Mama sich bis zum Direktor vorkämpfte, weil das zarte Wesen nicht behutsam genug (und natürlich völlig zu Unrecht) ermahnt worden war: All die gab es, aber eher selten. Und man lachte über sie.
Heute scheinen Ausnahmen die Regel zu werden.
Das folgende mag man jetzt getrost in den falschen Hals bekommen: Zu den regelmäßigen Gottesdienstbesucher/innen gehört eine Familie, deren fünftes Kind ich gerade getauft habe. Nummer eins ist einer der zuverlässigsten Messdiener (allerdings mit einer gehörigen Portion Frechheit), Nummer zwei schalkhaft fromm (eigenartige Mischung mit hoffungsvoller Prognose), Nummer drei kommt gerne mit seinem Dinosaurier in die Kirche und spielt stillvergnügt. Für den Fall, dass er nur noch vergnügt ist, gibt es einen präzise liebevoll-strengen Blick der Mutter. Das scheint zu genügen. Nummer vier und fünf sind noch eindeutig in der präekklesialen Phase. Vielleicht haben diese Kinder den großen Vorteil, dass sie nicht, einsam und allein, der Liebe ihrer Eltern und vier Großeltern ausgesetzt waren. Übrigens ist Papa kein Krösus. Sie kommen halt über die Runden. Nicht mehr und nicht weniger. Auch das scheint für Kinder optimal zu sein.
Manchmal geht's eben doch.
Mittwoch, 27. August 2014
Begossener Pudel
Seit ein oder zwei Wochen erfreue ich mich jeden Tag an zehn oder fünfzehn begossenen Pudelinnen und Pudeln, die, mehr oder weniger gekonnt, sich einen Eimer Wasser, mit Eis angereichert über Kopf und Körper, selbstverständlich mit Freizeitkleidung verhüllt, geschüttet haben (bzw. schütten ließen) und mehr oder weniger dankbar vorher verkünden, dass irgendjemand sie nominiert hat. Manchen ist der Spaßfaktor durchaus anzusehen. Facebook lädt die Videos ja automatisch - also kann man fast nichts anderes als hingucken. Und so geht das dann im Schneeballsystem weiter, bis auch der letzte Goldfisch gewässert worden ist.
Nun sind Zeichen der Solidarität in unserer immer unsolidarischen Gesellschaft nicht das Verkehrteste. Und mal daran zu denken, dass es Menschen gibt, die durch Muskellähmung sich Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr immer weniger bewegen können, bis sie (durchschnittlich nach vier Jahren) sterben und bis dahin mit den Krankenkassen kämpfen, dass sie die nötige Hilfe bekommen - sicherlich was Tolles in unserer körperbetonten und körperfixierten Welt.
Es spricht auch viel dafür, dass Solidaritätszeichen Spaß machen sollen, aber es wäre schade, wenn es nur bei den - relativ seltenen - an Muskellähmung Erkrankten bleiben würde. Denn es gibt ein paar Leute und ein paar gesellschaftliche Prozesse mehr, wo Solidarität mehr als gut wäre:
Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute mehr das Zeichen als T-Shirt tragen würden, dass die brutalen Gewalttäter den Christen im Irak an die Tür gemalt haben?
Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute sich mal auf Facebook verpflichten, an einem Wochenende trotz aller Parties keinen Alkohol zu trinken - weil so viele damit ziemlich heftige Probleme haben und Alkoholismus immer noch verschwiegen und verheimlicht wird und nicht als Krankheit benannt wird?
Was wäre denn, wenn man sich mal was klamottentechnisches überlegt - aus Solidarität mit den Arbeiterinnen in Bangladesh, die für einen Hungerlohn und unter erbärmlichsten Umständen die stylischen T-Shirts zusammen nähen, was wäre denn, wenn ein paar eisgecoolte Jungs zwischen 16 und 20 sich, auch wenn sie nicht schwul sind, mal das rosa Dreieck irgendwo deutlich sichtbar hinstecken, um dagegen zu protestieren, wie viele gerade an den ach so toleranten Schulen wegen ihrer sexuellen Neigung lächerlich gemacht werden - wenn sie sich überhaupt outen, wie wäre es denn mal, wenn sich ein paar Leute verabreden würden, spät abends die Entsorgungstonnen der Supermärkte zu durchwühlen, weil in sie unendlich viele noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, was ist denn mit den Flüchtlingen, die in Italien zu Hunderten an die Küste geschwemmt werden oder auch mit denen, die in unseren Asylantenheimen leben - ach, es gäbe noch so viele Möglichkeiten.
Eiswasser macht doch bekanntlich einen kühlen Kopf. Mal schauen, wie weit die Solidarität reicht.
Nun sind Zeichen der Solidarität in unserer immer unsolidarischen Gesellschaft nicht das Verkehrteste. Und mal daran zu denken, dass es Menschen gibt, die durch Muskellähmung sich Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr immer weniger bewegen können, bis sie (durchschnittlich nach vier Jahren) sterben und bis dahin mit den Krankenkassen kämpfen, dass sie die nötige Hilfe bekommen - sicherlich was Tolles in unserer körperbetonten und körperfixierten Welt.
Es spricht auch viel dafür, dass Solidaritätszeichen Spaß machen sollen, aber es wäre schade, wenn es nur bei den - relativ seltenen - an Muskellähmung Erkrankten bleiben würde. Denn es gibt ein paar Leute und ein paar gesellschaftliche Prozesse mehr, wo Solidarität mehr als gut wäre:
Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute mehr das Zeichen als T-Shirt tragen würden, dass die brutalen Gewalttäter den Christen im Irak an die Tür gemalt haben?
Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute sich mal auf Facebook verpflichten, an einem Wochenende trotz aller Parties keinen Alkohol zu trinken - weil so viele damit ziemlich heftige Probleme haben und Alkoholismus immer noch verschwiegen und verheimlicht wird und nicht als Krankheit benannt wird?
Was wäre denn, wenn man sich mal was klamottentechnisches überlegt - aus Solidarität mit den Arbeiterinnen in Bangladesh, die für einen Hungerlohn und unter erbärmlichsten Umständen die stylischen T-Shirts zusammen nähen, was wäre denn, wenn ein paar eisgecoolte Jungs zwischen 16 und 20 sich, auch wenn sie nicht schwul sind, mal das rosa Dreieck irgendwo deutlich sichtbar hinstecken, um dagegen zu protestieren, wie viele gerade an den ach so toleranten Schulen wegen ihrer sexuellen Neigung lächerlich gemacht werden - wenn sie sich überhaupt outen, wie wäre es denn mal, wenn sich ein paar Leute verabreden würden, spät abends die Entsorgungstonnen der Supermärkte zu durchwühlen, weil in sie unendlich viele noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, was ist denn mit den Flüchtlingen, die in Italien zu Hunderten an die Küste geschwemmt werden oder auch mit denen, die in unseren Asylantenheimen leben - ach, es gäbe noch so viele Möglichkeiten.
Eiswasser macht doch bekanntlich einen kühlen Kopf. Mal schauen, wie weit die Solidarität reicht.
Mittwoch, 13. August 2014
Das gar nicht so liebe Geld
2554,98 € überweist mir mein Bistum Monat für Monat netto. Abgezogen werden mir 234,48 € für die Krankenkasse, 12,91 € für die Pflegeversicherung sowie 223 € Nebenkosten einschl. Strom etc. von der Zentralrendantur als Vorauszahlung. Für die (spärliche) Nutzung meines Autos zahlt das Bistum mir monatlich einen zu versteuernden Zuschuss von knapp 180 €. Weihnachtsgeld gibt's auch, Im letzten Jahr waren das brutto 1146,90 €, nämlich genau ein Drittel meines Bruttos. Miete zahle ich nicht - der Mietwert meiner Wohnung wird allerdings nach allen Regeln der Fiskalkunst versteuert.
Für viele Kollegen ist das in Ordnung. Einige wenige stöhnen. Manche meinen auch, es sei reichlich. Weil ich weiß, wie viel manche Arbeiter mit Frau und drei Kindern verdienen, meine ich letzteres. Ich muss allerdings zugeben: Mein Auto kostet nicht viel, neue Kleidung finde ich nicht sonderlich spannend, ernährungsmäßig stehe ich, von den bekannten Ausnahmen abgesehen, eher auf Nudeln und Gemüse, teure Hobbies gibt es auch nicht. Immerhin kann ich am Jahresende recht großzügig spenden, auch schon mal in Bereiche, die von amtskirchlicher Seite aus gesehen eher im Grenzgebiet oder jenseits davon liegen. Das Finanzamt ist gnädig und sieht wohlwollend auf diese Summe.
Das klingt jetzt ein bisschen nach "Hose runter". Aber es klingt nur danach. Denn ein Geheimnis sollte das nicht sein. Zumindest seit Limburger Zeiten ist Transparenz das Gebot der Stunde. Zugegebenermaßen tut man man sich damit weiter oben noch schwer. Irgendwie ist das wie bei einer gelinde gesagt nicht unvermögenden alten Dame, die über mehrere Renten verfügt und gar nicht so genau weiß, was sie alles auf der hohen Kante liegen hat und an Grundstücken besitzt. Eines aber ist klar. Die alte Dame ist vieles. Aber nicht arm.
Das mag für eine alte Dame recht und billig sein. Für die Kirche ist das eine zweischneidige Sache. Natürlich: Nur wer Geld hat, kann Wohltaten über die große weite Welt verteilen. Es ist auch unstrittig, dass die Kirche mit ihrem Geld wesentlich sorgfältiger umgeht als der Staat oder die Kommunen. Limburg war, unter der Perspektive einer bescheidenen Kirche, fatal. Unter dem Aspekt "Flughafen Berlin" ein Katzendreck, unappetitlich, aber Katzendreck.
Utopisch wäre es, von heute auf morgen gemäß dem hl. Franziskus alles abzugeben. Aber man könnte ein paar Nummern kleiner anfangen. Ich halte 50 % des Kirchensteueraufkommens für Projekte in der Einen Welt für eine realistische und moralisch notwendige Hausnummer (an die Rücklagen gehen wir dabei noch gar nicht dran, auch nicht an die weiteren Zuwendungen, die laut Konkordat der Kirche überwiesen werden). Ich fände es sinnvoll, wenn das die Kirchengemeinden vor Ort tun können (mit aller möglichen Transparenz) - damit nicht wieder vier Personalstellen für die Verwendung des Geldes geschaffen werden müssen. Spendensiegel des DZI sollte übrigens das einzige Kriterium sein. Und nebenbei (Geld ist Macht) würde das die höheren Ebenen nicht noch stärker machen als sie es ohnehin schon sind. Das nennt man Subsidiaritätsprinzip.
Das hätte nicht nur den wunderschönen Effekt für die kritische Öffentlichkeit eines "´ja, wir haben verstanden." Geld macht bekanntlich auch Arbeit. Viel Arbeit. Wir würden schlanker. Schlank bedeutet meistens auch beweglicher. Vielleicht sogar attraktiver. Und mag sein, dass die kritische Öffentlichkeit eines Tages begreift: Bei Kirchens wird das Geld nicht nur ordentlich, sondern sinnvoll verwendet.
Für viele Kollegen ist das in Ordnung. Einige wenige stöhnen. Manche meinen auch, es sei reichlich. Weil ich weiß, wie viel manche Arbeiter mit Frau und drei Kindern verdienen, meine ich letzteres. Ich muss allerdings zugeben: Mein Auto kostet nicht viel, neue Kleidung finde ich nicht sonderlich spannend, ernährungsmäßig stehe ich, von den bekannten Ausnahmen abgesehen, eher auf Nudeln und Gemüse, teure Hobbies gibt es auch nicht. Immerhin kann ich am Jahresende recht großzügig spenden, auch schon mal in Bereiche, die von amtskirchlicher Seite aus gesehen eher im Grenzgebiet oder jenseits davon liegen. Das Finanzamt ist gnädig und sieht wohlwollend auf diese Summe.
Das klingt jetzt ein bisschen nach "Hose runter". Aber es klingt nur danach. Denn ein Geheimnis sollte das nicht sein. Zumindest seit Limburger Zeiten ist Transparenz das Gebot der Stunde. Zugegebenermaßen tut man man sich damit weiter oben noch schwer. Irgendwie ist das wie bei einer gelinde gesagt nicht unvermögenden alten Dame, die über mehrere Renten verfügt und gar nicht so genau weiß, was sie alles auf der hohen Kante liegen hat und an Grundstücken besitzt. Eines aber ist klar. Die alte Dame ist vieles. Aber nicht arm.
Das mag für eine alte Dame recht und billig sein. Für die Kirche ist das eine zweischneidige Sache. Natürlich: Nur wer Geld hat, kann Wohltaten über die große weite Welt verteilen. Es ist auch unstrittig, dass die Kirche mit ihrem Geld wesentlich sorgfältiger umgeht als der Staat oder die Kommunen. Limburg war, unter der Perspektive einer bescheidenen Kirche, fatal. Unter dem Aspekt "Flughafen Berlin" ein Katzendreck, unappetitlich, aber Katzendreck.
Utopisch wäre es, von heute auf morgen gemäß dem hl. Franziskus alles abzugeben. Aber man könnte ein paar Nummern kleiner anfangen. Ich halte 50 % des Kirchensteueraufkommens für Projekte in der Einen Welt für eine realistische und moralisch notwendige Hausnummer (an die Rücklagen gehen wir dabei noch gar nicht dran, auch nicht an die weiteren Zuwendungen, die laut Konkordat der Kirche überwiesen werden). Ich fände es sinnvoll, wenn das die Kirchengemeinden vor Ort tun können (mit aller möglichen Transparenz) - damit nicht wieder vier Personalstellen für die Verwendung des Geldes geschaffen werden müssen. Spendensiegel des DZI sollte übrigens das einzige Kriterium sein. Und nebenbei (Geld ist Macht) würde das die höheren Ebenen nicht noch stärker machen als sie es ohnehin schon sind. Das nennt man Subsidiaritätsprinzip.
Das hätte nicht nur den wunderschönen Effekt für die kritische Öffentlichkeit eines "´ja, wir haben verstanden." Geld macht bekanntlich auch Arbeit. Viel Arbeit. Wir würden schlanker. Schlank bedeutet meistens auch beweglicher. Vielleicht sogar attraktiver. Und mag sein, dass die kritische Öffentlichkeit eines Tages begreift: Bei Kirchens wird das Geld nicht nur ordentlich, sondern sinnvoll verwendet.
Samstag, 19. Juli 2014
Liebe Schwestern und Brüder
Liebe Schwestern und Brüder,
auch in diesem Jahr ist die Zahl der Gottesdienstbesucher/innen und der Mitglieder der katholischen Kirche wieder deutlich gesunken.
Selbstverständlich ist das kein Grund zum Jubeln. Dennoch ist das Vergleichen mit vermeintlich besseren "alten" Zeiten immer ein zwiespältiger Vorgang. Zahlen mögen Strömungen, Tendenzen repräsentieren, doch sie sagen noch nichts über die Gründe aus, die ihnen zugrunde liegen.
Wir führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück:
Für viel Unmut hat in den Gemeinden und mehr noch in den bischöflichen Behörden unsere einmütige Entscheidung geführt, dass künftig 50 % des Kirchensteueraufkommens direkt in soziale und caritative Projekte in den sogenannten armen Ländern geleitet wird. Daraus ergibt sich auf lange Sicht eine Verschlankung unseres Verwaltungsapparats, aber auch deutliche Eingriffe in den Immobilienbestand der Gemeinden, in denen wir längst nicht mehr jede Kirche und jedes Pfarrheim für finanzierungswürdig erachten. Die Widerstände gegen diese Entscheidung waren ausgesprochen hoch und haben zu viel Verärgerung geführt. Dennoch glauben wir, dass gemeindliches Kirchturmdenken kein Baustein einer dem Evangelium verpflichteten Kirche sein wird.
Unruhe bewirkte auch unsere Empfehlungen einer aktiven Flüchtlings- und Integrationspolitik in Deutschland und unsere Bestrebungen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Unser dringender Vorschlag, insbesondere Räume in Pfarrheimen für die Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung zu stellen, stieß örtlich zum Teil auf großen Protest. Viele Reaktionen betonten, sie würden grundsätzlich unser Anliegen unterstützen wollen, doch vor Ort wäre das vollkommen undenkbar.
Unsere politischen Stellungnahmen (zu Fragen der nachhaltigen Tierhaltung, der Kleiderindustrie, des generationengerechten Umgangs mit Ressourcen und wirtschaftspolitischen Themen) haben zum Teil zu heftigen Protesten geführt. Wir haben aber erkannt, dass eine mutige und profilierte Kirche hier klar und deutlich ihre Stimme erheben muss und sich nicht in allgemeinen Aussagen ergehen darf.
Wir möchten bei all dem betonen, dass wir selbst uns bemühen, mit guten Beispiel voran zu gehen, was unseren eigenen Lebensstil betrifft. Als Dienstfahrzeuge wählen wir in Zukunft Mittelklassewagen, bei denen wir besonders auf die Umweltfreundlichkeit achten. Wir versichern auch, dass wir kritischer die Notwendigkeit von Dienstfahrten unter die Lupe nehmen und auch, wenn es zeitaufwändiger sein sollte, Bahnreisen bevorzugen werden. Wir haben jedoch erkannt, dass eine Zeichenhaftigkeit in dieser Frage eine wichtige Bedeutung haben wird.
Zudem haben wir für alle Priester eine einheitliche Grundvergütung beschlossen, um auch hier die Gleichheit aller zu betonen.
Im Auftrag der DBK
N.N., Sprecherin der DBK
auch in diesem Jahr ist die Zahl der Gottesdienstbesucher/innen und der Mitglieder der katholischen Kirche wieder deutlich gesunken.
Selbstverständlich ist das kein Grund zum Jubeln. Dennoch ist das Vergleichen mit vermeintlich besseren "alten" Zeiten immer ein zwiespältiger Vorgang. Zahlen mögen Strömungen, Tendenzen repräsentieren, doch sie sagen noch nichts über die Gründe aus, die ihnen zugrunde liegen.
Wir führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück:
Für viel Unmut hat in den Gemeinden und mehr noch in den bischöflichen Behörden unsere einmütige Entscheidung geführt, dass künftig 50 % des Kirchensteueraufkommens direkt in soziale und caritative Projekte in den sogenannten armen Ländern geleitet wird. Daraus ergibt sich auf lange Sicht eine Verschlankung unseres Verwaltungsapparats, aber auch deutliche Eingriffe in den Immobilienbestand der Gemeinden, in denen wir längst nicht mehr jede Kirche und jedes Pfarrheim für finanzierungswürdig erachten. Die Widerstände gegen diese Entscheidung waren ausgesprochen hoch und haben zu viel Verärgerung geführt. Dennoch glauben wir, dass gemeindliches Kirchturmdenken kein Baustein einer dem Evangelium verpflichteten Kirche sein wird.
Unruhe bewirkte auch unsere Empfehlungen einer aktiven Flüchtlings- und Integrationspolitik in Deutschland und unsere Bestrebungen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Unser dringender Vorschlag, insbesondere Räume in Pfarrheimen für die Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung zu stellen, stieß örtlich zum Teil auf großen Protest. Viele Reaktionen betonten, sie würden grundsätzlich unser Anliegen unterstützen wollen, doch vor Ort wäre das vollkommen undenkbar.
Unsere politischen Stellungnahmen (zu Fragen der nachhaltigen Tierhaltung, der Kleiderindustrie, des generationengerechten Umgangs mit Ressourcen und wirtschaftspolitischen Themen) haben zum Teil zu heftigen Protesten geführt. Wir haben aber erkannt, dass eine mutige und profilierte Kirche hier klar und deutlich ihre Stimme erheben muss und sich nicht in allgemeinen Aussagen ergehen darf.
Wir möchten bei all dem betonen, dass wir selbst uns bemühen, mit guten Beispiel voran zu gehen, was unseren eigenen Lebensstil betrifft. Als Dienstfahrzeuge wählen wir in Zukunft Mittelklassewagen, bei denen wir besonders auf die Umweltfreundlichkeit achten. Wir versichern auch, dass wir kritischer die Notwendigkeit von Dienstfahrten unter die Lupe nehmen und auch, wenn es zeitaufwändiger sein sollte, Bahnreisen bevorzugen werden. Wir haben jedoch erkannt, dass eine Zeichenhaftigkeit in dieser Frage eine wichtige Bedeutung haben wird.
Zudem haben wir für alle Priester eine einheitliche Grundvergütung beschlossen, um auch hier die Gleichheit aller zu betonen.
Im Auftrag der DBK
N.N., Sprecherin der DBK
Samstag, 4. Februar 2012
Nur die Treppe rauf
Immerhin war es sogar eine Meldung in der überörtlichen Presse wert: „Bischof wird Dorfpfarrer.“ Wobei es sich – für katholische Verhältnisse „nur“ - um den lutherischen Landesbischof Friedrich handelt, der in Bertholdsdorf bei Ansbach eine 712 Mitglieder „starke“ Dorfgemeinde übernommen hat.
Das ist, zugegebenermaßen, in der evangelischen Kirche nicht so spektakulär wie es in der katholischen wäre, wobei es auch da – soweit mir bekannt - eine Ausnahme gibt: Weihbischof Kuhnle in Rottenburg, der 1991 aus freien Stücken sein Amt niederlegte und zwei Pfarrgemeinden übernahm – und ein wenig passt auch der Limburger Altbischof Kamphaus in diesen Zusammenhang, der nach seiner Emeritierung nicht am Domplatz im Limburg blieb und noch bischöflich durchs Bistum wirkte, sondern in der Seelsorge in einem Behindertenheim mitarbeitet.
Aber alles in allem fällt man in der katholischen Kirche die Treppe nur herauf, zumindest bei den Weltpriestern. Orden sind da etwas flexibler, da kann ist es wenigstens bei einigen schon üblicher, dass jemand mit einem Leitungsamt wieder ins normale Ordensleben zurückkehrt.
Natürlich wird mir jeder Fachtheologe was vom sogenannten "unauslöschlichen Merkmal der Bischofsweihe" erzählen, das sozusagen danach verlangt, immer wieder „ausgelebt“ zu werden. Mag ja seine Berechtigung haben, auch wenn man dafür, was die Amtstheologie angeht, durchaus in die theologische Auseinandersetzung gehen könnte. Aber unabhängig von Bischofsweihe oder nicht ist es bis heute ein Grundproblem katholischer Hierarchie: Dass es so selten vorkommt, dass man freiwillig, einfach so, ein paar Stufen heruntersteigt, ohne dass alle Welt sich die Hirnzellen zerbricht, was denn vorgefallen sein mag. Da reden wir so gerne vom Dienstamt und machen alle möglichen Wortkreationen und -akrobatiken, weil man nicht klipp und klar sagt: Ja, es gibt Macht. Aber die muss man doch nicht bis zum „geht-nicht-mehr“ festhalten. Ein paar Jahre in der Leitung, dann wieder zurück – warum eigentlich nicht? Es würde jedenfalls dafür sorgen, dass Strukturen transparenter und vielleicht auch effektiver würden.
Nebenbei könnte man den bösen, natürlich unbegründeten, aber dennoch hin- und wieder geäußerten Verdacht widerlegen, dass jemand, der eine Zeitlang "oben" war, für weiter "unten" nicht mehr zu gebrauchen sei ....
Das ist, zugegebenermaßen, in der evangelischen Kirche nicht so spektakulär wie es in der katholischen wäre, wobei es auch da – soweit mir bekannt - eine Ausnahme gibt: Weihbischof Kuhnle in Rottenburg, der 1991 aus freien Stücken sein Amt niederlegte und zwei Pfarrgemeinden übernahm – und ein wenig passt auch der Limburger Altbischof Kamphaus in diesen Zusammenhang, der nach seiner Emeritierung nicht am Domplatz im Limburg blieb und noch bischöflich durchs Bistum wirkte, sondern in der Seelsorge in einem Behindertenheim mitarbeitet.
Aber alles in allem fällt man in der katholischen Kirche die Treppe nur herauf, zumindest bei den Weltpriestern. Orden sind da etwas flexibler, da kann ist es wenigstens bei einigen schon üblicher, dass jemand mit einem Leitungsamt wieder ins normale Ordensleben zurückkehrt.
Natürlich wird mir jeder Fachtheologe was vom sogenannten "unauslöschlichen Merkmal der Bischofsweihe" erzählen, das sozusagen danach verlangt, immer wieder „ausgelebt“ zu werden. Mag ja seine Berechtigung haben, auch wenn man dafür, was die Amtstheologie angeht, durchaus in die theologische Auseinandersetzung gehen könnte. Aber unabhängig von Bischofsweihe oder nicht ist es bis heute ein Grundproblem katholischer Hierarchie: Dass es so selten vorkommt, dass man freiwillig, einfach so, ein paar Stufen heruntersteigt, ohne dass alle Welt sich die Hirnzellen zerbricht, was denn vorgefallen sein mag. Da reden wir so gerne vom Dienstamt und machen alle möglichen Wortkreationen und -akrobatiken, weil man nicht klipp und klar sagt: Ja, es gibt Macht. Aber die muss man doch nicht bis zum „geht-nicht-mehr“ festhalten. Ein paar Jahre in der Leitung, dann wieder zurück – warum eigentlich nicht? Es würde jedenfalls dafür sorgen, dass Strukturen transparenter und vielleicht auch effektiver würden.
Nebenbei könnte man den bösen, natürlich unbegründeten, aber dennoch hin- und wieder geäußerten Verdacht widerlegen, dass jemand, der eine Zeitlang "oben" war, für weiter "unten" nicht mehr zu gebrauchen sei ....
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