sicht-wechsel

Samstag, 15. November 2014

Mannsbild

Ich gestehe: Es gehört zu den wunderbarsten Momenten einer ausgefeilten Domliturgie, wenn einer der Zeremoniare kurz vor dem Hochgebet mit frommem, dennoch entschlossenem und würdevollem Schritt, selbstverständlich nicht auslassend die auf dem Weg vorgeschriebenen Verneigungen, zum Bischof eilt, die Finger spitzt und mit Daumen und Zeigefinger ihm das Scheitelkäppchen vom Haupte zupft, dieses einem ebenfalls würdig herbeigeeilten und zugleich schreitenden Messdiener auf ein Tablett legt und sich dann zeitnah aus der näheren Umgebung des Altares entfernt. Keiner möge sagen, dass dieser Moment nicht einen besonderen Charme besäße, wie auch die ganze Domliturgie in ihrem würdevollen Spiel alle Sinne erfreut und Erhabenheit kündet. Man stelle sich nur vor, alles würde auf den Minimalismus eines reformatorischen Predigergottesdienstes reduziert. Selbst Luther im Grabe würde sich umdrehen. Da durchaus jüngere Mitchristinnen und Christen und auch Nichtchristen einem solchen weihevollen ernsten Spiel nicht abgeneigt sind, möge uns das noch lange erhalten bleiben und die neue Schlichtheit des neuen Papstes sich vor den Mauern des Domes begrenzen und  auf neue Duschen für Nichtsesshafte beschränken.

Es war nur ein kurzes Satz aus einer ganz anderen Szene, der mich den Pileolusritus assoziieren ließ: Bischof Oster, offenbar ein gelehriger Mann, dem die Vergangenheit nicht unvertraut ist, zeigt mit fröhlichem Lachen, sportlich einen Schal um den Priesterkragen geschlagen, seine neue Bleibe. Nichts lässt er aus: Die Gemeinschaftsküche, das Schlafzimmer, die Bücherregale, natürlich auch das Bad, in dem selbst dem kritischsten Betrachter kein hochwertiger Badetrog entgegen winkt. Nein , wirklich nichts ist da, was dem tebartzgestählten kirchenkritischen Publikum Anlass zu hässlichen Nachfragen geben könnte. Und dann, sozusagen als kecker Witz, kommentiert er die Nutzung eines Raumes, den ihm ein nicht namentlich genannter Jemand als Ankleidezimmer empfohlen haben soll. Und der Bischof, mit nach wie vor breitem Lachen: Ich bin doch ein Mannsbild.

Nun ist ein Mannsbild als Bischof durchaus etwas, was man hin und wieder erwähnen mag. Dennoch bleibt zu hoffen, dass das nicht auf die Liturgie überschwappt. Mannsbild klingt doch ein wenig nach Holzfällerhemd, nach kräftig zugreifenden schwieligen Händen, nach derbem Schuhwerk, nach Schweinshaxe und Männerschweiß und mindestens drei Maß Bier. Alles Assoziationen, die mit einer ausgefeilt-elegant-charmanten Domliturgie durchaus fremdeln könnten. Denn: Wie sähe das denn aus, nähme der Bischof sich selbst den Pileolus vom Kopf und würfe ihn einem jüngeren Messdiener entgegen, versehen mit leisen, aber hörbar männlich-markanten Worten: Hey, fang mal .... Alles also bitte zu seiner Zeit und in seinem Raum!

Montag, 27. Oktober 2014

Geschmeidig oder gewandelt

Es war ein mal ein Dominikanerpater, der lehrte Dogmatik in Fribourg. Angeblich war er so konservativ, dass er im Kohlenkeller Schatten warf und die Studenten um seine Vorlesungen einen Bogen machten wie der Teufel um das Weihwasser. Theologie der Befreiung? Ein Gräuel. Bischof Haas in Chur (man erinnere sich: der, für den als Krönung seiner Verdienste das Erzbistum Vaduz gegründet wurde)? Ein Segen für die Kirche. Also lehrte er nicht nur, sondern leerte. Nämlich die Hörsäle.

Die Zeit vergeht. Vergeht, Vergeht. Unter den damaligen Umständen hatte er die besten Chancen, Bischof zu werden. Aber langsam. Erstmal Weihbischof. Er verteidigt seinen Bischof selbst dann noch, als diesem - auch heutiger Sicht nicht zu Unrecht - das Wasser längst nicht mehr nur bis zum Hals steht. Als sein Bischof den Hut nehmen bzw. nicht mehr aufsetzen darf, beerbt er ihn. Alles im Rahmen der damaligen Aufstiegs- und Ernennungslogik.

Dreißig Jahre nach seiner Zeit als Professor in Fribourg:

– Kardinal Schönborn setzt sich in Rom an der Bischofssynode für einen neuen Umgang mit Geschiedenen in der Kirche ein und legt ganz offen darüber Zeugnis ab, dass er selber Kind geschiedener Eltern sei.

– Kardinal Schönborn setzt sich in Rom für einen neuen Umgang mit Schwulen und Lesben ein und berichtet an der Bischofssynode von einem homosexuellen Paar, das er persönlich gut kenne, bei dem der eine den anderen, der schwer krank war, fürsorglich bis in den Tod gepflegt habe.

- Kardinal Schönborn kritisiert, dass die Synode nicht mutiger Zeichen gesetzt hat im Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen.
Soweit, ein wenig zusammengefasst und ergänzt, der Bericht der Aargauer Zeitung vom 22.10.
Man mag beklagen, dass die Synode nicht forscher war. Aber alles zu seiner Zeit. Wer gelernt hat, dass man vor allem dann aufsteigt, wenn man das sagt, was der, der für den Aufstieg zuständig ist, denkt, der muss gewaltig umlernen, vor allem, wenn er dieser Devise ein Priesterleben lang treu geblieben ist. Was soll man denn sagen, wenn man nur in kühner Phantasie ahnen kann, was der eigenwillige Jesuit auf dem Hocker Petri wirklich denkt? Immerhin werden konservative Kommentatoren in einschlägigen Foren nicht müde zu betonen, wie missverständlich der Papst sich bisweilen ausdrückt - ach, was waren das noch Zeiten, als man so schön klar wusste, was der Papst meinte, wollte, dachte.
Aus der lateinamerikanischen Kirchen ist bekannt, dass manche Bischöfe, einmal mit der Praxis konfrontiert, sich um 180 Grad gedreht haben. Hier ist es nicht unbedingt die Praxis, sondern der Papst - oder was man für seine Meinung hält. Und deshalb bleiben wir bis auf weiteres bei der Frage: Nur geschmeidig oder wirklich gewandelt?

Dienstag, 30. September 2014

Tag und Nacht

Wer wirbt mit dem Slogan: Wir sind Tag und Nacht für Sie da?

Genau. Der Bestatter. Denn gestorben wird immer. Und da auch Tote keine Zeit haben, braucht man eine zügige Abwicklung. Tag und Nacht.

Und? Auch richtig: Der Schlüsseldienst. Der ist Tag und noch lieber nachts für Sie da. Denn nachts, da kann er richtig abkassieren.

Richtig wäre auch: Rettungsdienst. Obwohl die wegen "nachts" durchaus meckern. Soll schon vorgekommen sein, dass jemand meinte, durch das Engagieren des Rettungsdienstes die Taxikosten zum Krankenhaus sparen zu können. Außerdem die Rohrreinigungsfirma und alles, worauf man nicht so gerne länger warten möchte.

Zu dieser illustren Truppe gesellt sich, seit letzten Freitag hochamtlich, auch die Mutter Kirche. "Tag und Nacht für Sie da" ist, zumindest nach Kardinal Marx, das neue Erkennungszeichen einer Kirche, die sich, wenn mich nicht alles täuscht, als Service-Institut profilieren soll. Wie das genau geschehen soll, hat er allerdings nicht gesagt. Nachtdienst im Pfarrbüro? Analog zum Krankenhaus eine Nachtsekretärin? Oder soll der Pfarrer höchstpersönlich Tag und Nacht ans Telefon gehen? Die besten rufen Samstagmorgen um 8 Uhr an, weil sie wissen möchten, wann die Vorabendmesse ist. Und wer mal so ein richtiges Brautpaar erlebt hat, nebst Weddingmanager und allem drum und dran und RTL und Traumhochzeit geprägt, der kommt, wenn er so richtig spurt, aus dem Kirchenservice gar nicht mehr raus.

Nun will ich ja durchaus nicht verschweigen, dass manche Kollegen sich rar machen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche müssen wirklich die Notbremse ziehen, sonst ziehen sie andere wegen Burn-Out aus dem Verkehr. Andere haben das Arbeiten nicht unbedingt erfunden. Aber diese zu motivieren geht sicherlich nicht mit forschen Parolen. Da wären ein paar mutige Überlegungen, wie es mit der kirchlichen Struktur weitergeht, vielleicht weiterführender. Wenn das Gefühl bleibt, man möchte doch möglichst alles beim alten lassen, ist das nicht unbedingt aktivierend. Und andere haben einfach resigniert, warum auch immer. Auf jeden Fall möge man Mark Twain nicht vergessen: Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.

Ich wüsste einen anderen Slogan, der ist zwar nicht unbedingt werbewirksam, aber wäre im Blick auf die kirchenpolitische Großwetterlage nicht der schlechteste:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: Gerecht sein. Barmherzig und verlässlich sein. Demütig sein vor Gott.

 

Dienstag, 16. September 2014

Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an

"Die christliche Kirche scheint am Ende zu sein. Viele Gründe sprechen dafür. Die Zahl der Kirchenaustritte wächst. Die Geistlichkeit hat Nachwuchssorgen. Aus den eigenen Reihen häufen sich die Angriffe gegen die Kirche. Was wirft man ihr vor? Starr beharre sie auf ihren Privilegien und ihrer Macht; ihre Glaubenssätze seien überholt - andererseits: Sie passe sich zu sehr den Zeitströmungen an...."

Lange habe ich gebraucht, bis ich herausgefunden habe, aus welchem Jahr der Text ist, der einen Aufsatz des evangelischen Theologen Thielicke einleitet. 1976. Das sind bis heute 38 Jahre. Aber: "Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an."

Immerhin: Das Ende ist noch nicht eingetreten. Zwischen 1976 und 2014 ist viel passiert.

Viele Autoren haben viel, sehr viel Geld verdient, in dem sie die sogenannte Kirchenkrise analysiert, seziert, erörtert, beleuchtet, erklärt, verortet, sich ihr gestellt und vor allem differenziert haben (Differenzieren ist besonders gut, das wirkt gebildet und am Ende kommt dabei ein ganz anderes Problem heraus).

Bischöfe haben mutig, wild entschlossen und traurig zugleich das Ende der Volkskirche verkündet. Immerhin: Alle Pfarreien haben noch einen Pfarrer (tja, wer hätte das gedacht).

Im Borromaeum in Münster, dem Priesterseminar, werden inzwischen junge und nicht mehr so junge Männer aus halb Deutschland intensivst und mit hohem Betreuungsaufwand auf den Priesterberuf vorbereitet. Dennoch wirkt das Gebäude eigenartig leer. Vermutlich haben wir an der gleichen Stelle in zehn Jahren ein halb europäisches Seminar.

Ansonsten machen wir weiter wie bisher: Taufen Kinder von Eltern, die lange kein Kreuzzeichen mehr gemacht haben, schreiben brav die Kinder der 3. Klasse an, damit sie ein halbes Jahr später oft mit großen Aufwand ihre Erstkommunion feiern können, trauen, wen und wer auch immer sich anmeldet (vorausgesetzt: kirchenrechtlich gehts noch), halten es für erfreulich, wenn 50 % eines Jahrgangs sich firmen lässt - die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Leuten, die austreten, schreiben wir inzwischen einen längeren Brief und sind erstaunt, dass sie kaum reagieren, obwohl wir kaum mit einer Reaktion gerechnet haben.

Und wenn sie nicht gestorben sind ....



Dienstag, 2. September 2014

Kinder

Eine ganze Seite widmet die Süddeutsche heute dem kinderfeindlichen Berlin. Lärmschutzmauern, die zwischen Skater-Plätzen und Edelresidenzen gebaut werden, Schilder, die vor einem Café verkünden, dass Kinderwagen nebst Inhalt und Schiebekraft nicht gern gesehen werden, Proteste gegen den Bau von Kitas, Hotelbesitzer, die dagegen klagen, dass eine Schulklasse sich in ihrer gediegenen Unterkunft drei Tage vergnügt,  und derlei Untaten mehr.

Rückblick: Zu meiner Studentenzeit bat in der Petrikirche der stark genervte Pfarrer die lieben Eltern während der Predigt, sie mögen doch ein wenig darauf achten, dass ihr geschätzter Nachwuchs den Mittel- und Seitengang der Kirche nicht mit dem Nürburgring verwechselt, weil sie dort mit den mitgebrachten Autos scharfe Rennen fuhren, und gegen ihr brrrrrrrrruuuuummmmm waren die wohlgesetzten Worte des Predigers machtlos.

Das ist alles eigenartig. Das Wunschkind, geplant gezeugt, wird gemanagt, umhegt, umsorgt, Mama kämpft mit allen Mitteln dagegen, dass in der sorgsam ausgewählten Kita ja kein Erzieher (männlich) ihrem Nachwuchs die Windeln wechselt (er könnte ja, naja, man kann ja nie wissen - auch darüber berichtete die Süddeutsche ausführlich), selbst eindeutige Ungezogenheiten werden von Oma und Opa mit einem "ach ist der süß der kleine" belohnt, später droht Mama dem Lehrkörper mit dem Rechtsanwalt, weitere Aufzählungen überflüssig, weil völlig unappetitlich und gleichzeitig völlig realistisch.
Und der Hotelbesitzer (übrigens ein Vier-Sterne-Hotel), der die unterkunftssuchende Klasse 11 per Gerichtsbeschluss draußen vor der Tür halten will? Die gute Bude ist doch gerade erst vor zwei Jahren renoviert worden.

Ja, wir haben in manchen Kreisen eine massive Kinderfeindlichkeit. Das ist nichts schönzureden oder zu entschuldigen. Wir haben aber auch Kinder und Jugendliche, die außerordentlich apart oder gar nicht erzogen sind, was auf das Gleiche hinausläuft.

Eigentlich hat es das schon immer gegeben. Aber die meckernde Mieterin, deren und deren Pudel Mittagsschlaf gestört wurde, war die Ausnahme. Ebenso das verzogene Kind, für das Mama sich bis zum Direktor vorkämpfte, weil das zarte Wesen nicht behutsam genug (und natürlich völlig zu Unrecht) ermahnt worden war: All die gab es, aber eher selten. Und man lachte über sie.

Heute scheinen Ausnahmen die Regel zu werden.


Das folgende mag man jetzt getrost in den falschen Hals bekommen: Zu den regelmäßigen Gottesdienstbesucher/innen gehört eine Familie, deren fünftes Kind ich gerade getauft habe. Nummer eins ist einer der zuverlässigsten Messdiener (allerdings mit einer gehörigen Portion Frechheit), Nummer zwei schalkhaft fromm (eigenartige Mischung mit hoffungsvoller Prognose), Nummer drei kommt gerne mit seinem Dinosaurier in die Kirche und spielt stillvergnügt. Für den Fall, dass er nur noch vergnügt ist, gibt es einen präzise liebevoll-strengen Blick der Mutter. Das scheint zu genügen. Nummer vier und fünf sind noch eindeutig in der präekklesialen Phase. Vielleicht haben diese Kinder den großen Vorteil, dass sie nicht, einsam und allein, der Liebe ihrer Eltern und vier Großeltern ausgesetzt waren. Übrigens ist Papa kein Krösus. Sie kommen halt über die Runden. Nicht mehr und nicht weniger. Auch das scheint für Kinder optimal zu sein.

Manchmal geht's eben doch.

Mittwoch, 27. August 2014

Begossener Pudel

Seit ein oder zwei Wochen erfreue ich mich jeden Tag an zehn oder fünfzehn begossenen Pudelinnen und Pudeln, die, mehr oder weniger gekonnt, sich einen Eimer Wasser, mit Eis angereichert über Kopf und Körper, selbstverständlich mit Freizeitkleidung verhüllt, geschüttet haben (bzw. schütten ließen) und mehr oder weniger dankbar vorher verkünden, dass irgendjemand sie nominiert hat. Manchen ist der Spaßfaktor durchaus anzusehen. Facebook lädt die Videos ja automatisch - also kann man fast nichts anderes als hingucken. Und so geht das dann im Schneeballsystem weiter, bis auch der letzte Goldfisch gewässert worden ist.

Nun sind Zeichen der Solidarität in unserer immer unsolidarischen Gesellschaft nicht das Verkehrteste. Und mal daran zu denken, dass es Menschen gibt, die durch Muskellähmung sich Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr immer weniger bewegen können, bis sie (durchschnittlich nach vier Jahren) sterben und bis dahin mit den Krankenkassen kämpfen, dass sie die nötige Hilfe bekommen - sicherlich was Tolles in unserer körperbetonten und körperfixierten Welt.

Es spricht auch viel dafür, dass Solidaritätszeichen Spaß machen sollen, aber es wäre schade, wenn es nur bei den - relativ seltenen - an Muskellähmung Erkrankten bleiben würde. Denn es gibt ein paar Leute und ein paar gesellschaftliche Prozesse mehr, wo Solidarität mehr als gut wäre:

Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute mehr das Zeichen als T-Shirt tragen würden, dass die brutalen Gewalttäter den Christen im Irak an die Tür gemalt haben?
Wie wäre es denn mal, wenn ein paar Leute sich mal  auf Facebook verpflichten, an einem Wochenende trotz aller Parties keinen Alkohol zu trinken - weil so viele damit ziemlich heftige Probleme haben und Alkoholismus immer noch verschwiegen und verheimlicht wird und nicht als Krankheit benannt wird?
Was wäre denn, wenn man sich mal was klamottentechnisches überlegt - aus Solidarität mit den Arbeiterinnen in Bangladesh, die für einen Hungerlohn und unter erbärmlichsten Umständen die stylischen T-Shirts zusammen nähen, was wäre denn, wenn ein paar eisgecoolte Jungs zwischen 16 und 20 sich, auch wenn sie nicht schwul sind, mal das rosa Dreieck irgendwo deutlich sichtbar hinstecken, um dagegen zu protestieren, wie viele gerade an den ach so toleranten Schulen wegen ihrer sexuellen Neigung lächerlich gemacht werden - wenn sie sich überhaupt outen, wie wäre es denn mal, wenn sich ein paar Leute verabreden würden, spät abends die Entsorgungstonnen der Supermärkte zu durchwühlen, weil in sie unendlich viele noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, was ist denn mit den Flüchtlingen, die in Italien zu Hunderten an die Küste geschwemmt werden oder auch mit denen, die in unseren Asylantenheimen leben  - ach, es gäbe noch so viele Möglichkeiten.

Eiswasser macht doch bekanntlich einen kühlen Kopf. Mal schauen, wie weit die Solidarität reicht.

Mittwoch, 13. August 2014

Das gar nicht so liebe Geld

2554,98 € überweist mir mein Bistum Monat für Monat netto. Abgezogen werden mir 234,48 € für die Krankenkasse, 12,91 € für die Pflegeversicherung sowie 223 € Nebenkosten einschl. Strom etc. von der Zentralrendantur als Vorauszahlung. Für die (spärliche) Nutzung meines Autos zahlt das Bistum mir monatlich einen zu versteuernden Zuschuss von knapp 180 €.  Weihnachtsgeld gibt's auch, Im letzten Jahr waren das brutto 1146,90 €, nämlich genau ein Drittel meines Bruttos. Miete zahle ich nicht - der Mietwert meiner Wohnung wird allerdings nach allen Regeln der Fiskalkunst versteuert.

Für viele Kollegen ist das in Ordnung. Einige wenige stöhnen. Manche meinen auch, es sei reichlich. Weil ich weiß, wie viel manche Arbeiter mit Frau und drei Kindern verdienen, meine ich letzteres. Ich muss allerdings zugeben: Mein Auto kostet nicht viel, neue Kleidung finde ich nicht sonderlich spannend, ernährungsmäßig stehe ich, von den bekannten Ausnahmen abgesehen, eher auf Nudeln und Gemüse, teure Hobbies gibt es auch nicht. Immerhin kann ich am Jahresende recht großzügig spenden, auch schon mal in Bereiche, die von amtskirchlicher Seite aus gesehen eher im Grenzgebiet oder jenseits davon liegen. Das Finanzamt ist gnädig und sieht wohlwollend auf diese Summe.

Das klingt jetzt ein bisschen nach "Hose runter". Aber es klingt nur danach. Denn ein Geheimnis sollte das nicht sein. Zumindest seit Limburger Zeiten ist Transparenz das Gebot der Stunde. Zugegebenermaßen tut man man sich damit weiter oben noch schwer. Irgendwie ist das wie bei einer gelinde gesagt nicht unvermögenden alten Dame, die über mehrere Renten verfügt und gar nicht so genau weiß, was sie alles auf der hohen Kante liegen hat und an Grundstücken besitzt. Eines aber ist klar. Die alte Dame ist vieles. Aber nicht arm.

Das mag für eine alte Dame recht und billig sein. Für die Kirche ist das eine zweischneidige Sache. Natürlich: Nur wer Geld hat, kann  Wohltaten über die große weite Welt verteilen. Es ist auch unstrittig, dass die Kirche mit ihrem Geld wesentlich sorgfältiger umgeht als der Staat oder die Kommunen. Limburg war, unter der Perspektive einer bescheidenen Kirche, fatal. Unter dem Aspekt "Flughafen Berlin" ein Katzendreck, unappetitlich, aber Katzendreck.

Utopisch wäre es, von heute auf morgen gemäß dem hl. Franziskus alles abzugeben. Aber man könnte ein paar Nummern kleiner anfangen. Ich halte 50 % des Kirchensteueraufkommens für Projekte in der Einen Welt für eine realistische und moralisch notwendige Hausnummer (an die Rücklagen gehen wir dabei noch gar nicht dran, auch nicht an die weiteren Zuwendungen, die laut Konkordat der Kirche überwiesen werden). Ich fände es sinnvoll, wenn das die Kirchengemeinden vor Ort tun können (mit aller möglichen Transparenz) - damit nicht wieder vier Personalstellen für die Verwendung des Geldes geschaffen werden müssen. Spendensiegel des DZI sollte übrigens das einzige Kriterium sein. Und nebenbei (Geld ist Macht) würde das die höheren Ebenen nicht noch stärker machen als sie es ohnehin schon sind.  Das nennt man Subsidiaritätsprinzip.

Das hätte nicht nur den wunderschönen Effekt für die kritische Öffentlichkeit eines "´ja, wir haben verstanden." Geld macht bekanntlich auch Arbeit. Viel Arbeit. Wir würden schlanker. Schlank bedeutet meistens auch beweglicher. Vielleicht sogar attraktiver. Und mag sein, dass die kritische Öffentlichkeit eines Tages begreift: Bei Kirchens wird das Geld nicht nur ordentlich, sondern sinnvoll verwendet.