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Montag, 27. Oktober 2014

Geschmeidig oder gewandelt

Es war ein mal ein Dominikanerpater, der lehrte Dogmatik in Fribourg. Angeblich war er so konservativ, dass er im Kohlenkeller Schatten warf und die Studenten um seine Vorlesungen einen Bogen machten wie der Teufel um das Weihwasser. Theologie der Befreiung? Ein Gräuel. Bischof Haas in Chur (man erinnere sich: der, für den als Krönung seiner Verdienste das Erzbistum Vaduz gegründet wurde)? Ein Segen für die Kirche. Also lehrte er nicht nur, sondern leerte. Nämlich die Hörsäle.

Die Zeit vergeht. Vergeht, Vergeht. Unter den damaligen Umständen hatte er die besten Chancen, Bischof zu werden. Aber langsam. Erstmal Weihbischof. Er verteidigt seinen Bischof selbst dann noch, als diesem - auch heutiger Sicht nicht zu Unrecht - das Wasser längst nicht mehr nur bis zum Hals steht. Als sein Bischof den Hut nehmen bzw. nicht mehr aufsetzen darf, beerbt er ihn. Alles im Rahmen der damaligen Aufstiegs- und Ernennungslogik.

Dreißig Jahre nach seiner Zeit als Professor in Fribourg:

– Kardinal Schönborn setzt sich in Rom an der Bischofssynode für einen neuen Umgang mit Geschiedenen in der Kirche ein und legt ganz offen darüber Zeugnis ab, dass er selber Kind geschiedener Eltern sei.

– Kardinal Schönborn setzt sich in Rom für einen neuen Umgang mit Schwulen und Lesben ein und berichtet an der Bischofssynode von einem homosexuellen Paar, das er persönlich gut kenne, bei dem der eine den anderen, der schwer krank war, fürsorglich bis in den Tod gepflegt habe.

- Kardinal Schönborn kritisiert, dass die Synode nicht mutiger Zeichen gesetzt hat im Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen.
Soweit, ein wenig zusammengefasst und ergänzt, der Bericht der Aargauer Zeitung vom 22.10.
Man mag beklagen, dass die Synode nicht forscher war. Aber alles zu seiner Zeit. Wer gelernt hat, dass man vor allem dann aufsteigt, wenn man das sagt, was der, der für den Aufstieg zuständig ist, denkt, der muss gewaltig umlernen, vor allem, wenn er dieser Devise ein Priesterleben lang treu geblieben ist. Was soll man denn sagen, wenn man nur in kühner Phantasie ahnen kann, was der eigenwillige Jesuit auf dem Hocker Petri wirklich denkt? Immerhin werden konservative Kommentatoren in einschlägigen Foren nicht müde zu betonen, wie missverständlich der Papst sich bisweilen ausdrückt - ach, was waren das noch Zeiten, als man so schön klar wusste, was der Papst meinte, wollte, dachte.
Aus der lateinamerikanischen Kirchen ist bekannt, dass manche Bischöfe, einmal mit der Praxis konfrontiert, sich um 180 Grad gedreht haben. Hier ist es nicht unbedingt die Praxis, sondern der Papst - oder was man für seine Meinung hält. Und deshalb bleiben wir bis auf weiteres bei der Frage: Nur geschmeidig oder wirklich gewandelt?

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