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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Braunes Exkrement

Zweimal bin ich in den letzten Wochen darüber gestolpert, wie Vertreter der konservativen Ecke äußerst braunes Gedankengut bemühten, um ihre Überlegungen zu illustrieren. Das erste Mal war es der Salzburger Weihbischof Laun, auf meinem zweitliebsten Internetportal von frommen Leserinnen und Lesern sanft umsäuselt (Danke, Exzellenz, Gottes Segen für Eure Exzellenz). Ihm war es ein Herzensanliegen zu betonen, dass, auch wenn der Papst Redefreiheit auf der Bischofssynode einräumt, längst noch nicht jeder Teilnehmer das sagen kann, was er will - schließlich dürfe man auch auf einer Tagung über den Nationalsozialismus oder Stalinismus zwar über beides reden, aber natürlich keine Werbung dafür machen. Und gleiches gelte für das häretische Gedankengut, das der eine oder andere auf der Synode jüngst zu Rom von sich gegeben habe. Wen der Herr Weihbischof der allerschlimmsten Untat zichtet, bleibt natürlich im Dunkeln. Auf jeden Fall scheint er sich um die Rolle des theologischen Schiedsrichters bewerben zu wollen. Wer sich Launs gewagte Gedankengänge antun möchte:

http://www.kath.net/news/48357

Mein zweitliebster "Kulturjournalist" Kissler hat jüngst nachgelegt. Und für die, die hart im Nehmen sind, auch wieder der Verweis:
http://www.cicero.de/salon/krieg-gegen-weihnachten-religion-moderne-gesellschaft/56666

Kisslers These, mehr als steil, sozusagen sowas von steil, dass sie wie eine Pirouette die Abgründe seines Denkens entlarvt: Hitler hätte eine wahre Freude daran, wie Weihnachten missbraucht und entchristlicht wird, ja, feinsinnig, wie Kissler sein möchte, wähnt er einen schmutzigen Krieg der bösen Zeitgeister gegen Weihnachten, der keinen Vergleich mit des braunen Adolfs üblen Machenschaften scheuen muss. Also: Ihr Glühweinsäufer, ihr Atheisten, die ihr es wagt, zu Weihnachten trotz eures Heidentums lustvoll dem Konsumrausch zu frönen, ihr Moslems, die ihr ungeniert ein frohes Fest wünscht: Alles irgendwie irgendwo (nein nein, das hat Kissler natürlich nicht gemeint) willig-blöde Handlanger im Geiste des braunen Adolfs exkrementischen Gedankenguts?

Meine Grundthese ist nach wie vor die: Leider gibt es heute fast nur noch eher schlichte Atheisten, an denen sich ein Theologe wenn überhaupt nur lustlos, weil unterfordert abarbeiten kann.

Ich muss meine These ergänzen: Mögen Kissler und Laun noch so sehr gegen den Zeitgeist der bösen Atheisten kämpfen. In gewisser Weise scheinen sie sich auf diesem Niveau recht wohl zu fühlen. Man sollte ihnen ein paar Stunden Geschichtsunterricht spendieren, dann würden sie vielleicht herausfinden, dass die Nazizeit so grausam und schrecklich war, dass sie zu keinem Vergleich taugt. Vor allem aber lernen wir: Dünngeistige Gedankengänge lassen sich nicht durch den gezielten Gebrauch braunen Exkrements aufpeppen. Im Gegenteil: Die Dünngeistigkeit wird potenziert..


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