Seiten

Samstag, 4. Februar 2012

Nur die Treppe rauf

Immerhin war es sogar eine Meldung in der überörtlichen Presse wert: „Bischof wird Dorfpfarrer.“ Wobei es sich – für katholische Verhältnisse „nur“ - um den lutherischen Landesbischof Friedrich handelt, der in Bertholdsdorf bei Ansbach eine 712 Mitglieder „starke“ Dorfgemeinde übernommen hat.
Das ist, zugegebenermaßen, in der evangelischen Kirche nicht so spektakulär wie es in der katholischen wäre, wobei es auch da – soweit mir bekannt - eine Ausnahme gibt: Weihbischof Kuhnle in Rottenburg, der 1991 aus freien Stücken sein Amt niederlegte und zwei Pfarrgemeinden übernahm – und ein wenig passt auch der Limburger Altbischof Kamphaus  in diesen Zusammenhang, der nach seiner Emeritierung nicht am Domplatz im Limburg blieb und noch bischöflich durchs Bistum wirkte, sondern in der Seelsorge in einem Behindertenheim mitarbeitet.
Aber alles in allem fällt man in der katholischen Kirche die Treppe nur herauf, zumindest bei den Weltpriestern. Orden sind da etwas flexibler, da kann ist es wenigstens bei einigen schon üblicher, dass jemand mit einem Leitungsamt wieder ins normale Ordensleben zurückkehrt.
Natürlich wird mir jeder Fachtheologe was vom sogenannten "unauslöschlichen Merkmal der Bischofsweihe" erzählen, das sozusagen danach verlangt, immer wieder „ausgelebt“ zu werden. Mag ja seine Berechtigung haben, auch wenn man dafür, was die Amtstheologie angeht, durchaus in die theologische Auseinandersetzung gehen könnte. Aber unabhängig von Bischofsweihe oder nicht ist es bis heute ein Grundproblem katholischer Hierarchie: Dass es so selten vorkommt, dass man freiwillig, einfach so, ein paar Stufen heruntersteigt, ohne dass alle Welt sich die Hirnzellen zerbricht, was denn vorgefallen sein mag. Da reden wir so gerne vom Dienstamt und machen alle möglichen Wortkreationen und -akrobatiken, weil man nicht klipp und klar sagt: Ja, es gibt Macht. Aber die muss man doch nicht bis zum „geht-nicht-mehr“ festhalten. Ein paar Jahre in der Leitung, dann wieder zurück – warum eigentlich nicht? Es würde jedenfalls dafür sorgen, dass Strukturen transparenter und vielleicht auch effektiver würden.
Nebenbei könnte man den bösen, natürlich unbegründeten, aber dennoch hin- und wieder geäußerten Verdacht widerlegen, dass jemand, der eine Zeitlang "oben" war, für weiter "unten" nicht mehr zu gebrauchen sei ....

1 Kommentar:

  1. Eigentlich würde ich hier gern was als Co-Autorin posten. Zumindest dies möchte ich sehr auffällig postieren: wir LeserInnen haben ein Recht auf mehr Input!

    AntwortenLöschen