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Mittwoch, 25. Mai 2011

so lernt von den Vögeln des Himmels

Ich gestehe: Ich esse totes Tier. Nicht so oft, aber immer wieder. Mettwurst, Lammsteak, Rippchen und auch die so genannte Leberwurst (die vermutlich nur so heißt weil sie hin und wieder Leberschäden versacht). Ich tue das mit einem schlechten Gewissen. Jedes Mal, wenn ich die Viehtransporter in Erkenschwick gesehen, gerochen und gehört habe, wie sie zu dem Riesenschlachthof fuhren, nahm ich mir vor, meinen fleischlichen Gelüsten Einhalt zu gebieten. Für eine Zeit lang ging das gut. Nicht mehr und nicht weniger. Zum Entsetzen meiner Mitmenschen, insbesondere der jüngeren, weiblichen bin ich deutlich zu Pferd übergegangen, was mir manche Diskussionen, aber auch kulinarische Erlebnisse bescherte.

In Münster haben sich die vereinigten Bauernverbände (ich nenne mal diesen Zusammenschluss der rustikalen Verbände so) mächtig aufgeregt, dass die Nachdenklichkeit zum Verzehr von totem Tier inzwischen auch in die Firmvorbereitung Einzug gehalten hat. Eine Todesanzeige für Nutztiere – und der intellektuelle Drahtzieher ist Prof. Dr. Rainer Hagencord, Priester des Bistums Münster und Begründer einer „theologischen Zoologie“.

Wir halten folgende durchaus ungewöhnliche Tatsachen fest: 
Erstaunlicherweise ist endlich mal das intellektuelle Brüten eines Professors so an der Basis angekommen, dass es als mehr als ein nur intellektuelles Brüten wahrgenommen wurde.
Wir halten weiterhin fest: Wer vom Schlachthof und dessen Zulieferung lebt, lässt sich nicht gerne seinen Brötchenverdienst madig machen (das gilt für die Bäuerinnen, die schlecht bezahlten Arbeiter im oben erwähnten Schlachthof und auch für andere strittige Gewerbe wie die Mitarbeit in einem AKW oder wo sonst auch immer, na, wir lassen die Aufzählung jetzt besser, aber mir fiele da noch so einiges ein).
Wir halten weiterhin fest: Das Bistum bemüht sich um Schadensbegrenzung und schreibt einen äußerst ausgewogenen, sachlichen und differenzierten Brief (leider nichts davon, dass unsere Billigproduktion von Fleisch die Preise in anderen Ländern kaputt macht und dass der ohnehin tendenziell übergewichtige Deutsche vielleicht nicht jeden zweiten Abend Grillorgien feiern muss).

Wir ergänzen aber auch: Bei unseren Recherchen sind wir auf weitere Überlegungen des Herrn Prof. Dr. Hagencord gestoßen, denen wir respektvoll und unvoreingenommen nachmeditieren. Denn: Wir sollen nicht vom Tier essen, sondern vom Tiere lernen.

Welt am Sonntag (am 18.10.2009): Sollten wir tierischer werden?
Hagencord: Im Zuge unserer Geschichte wurde Sexualität, also eine unserer vitalsten Kräfte, von der Kirchenkanzel herab zum Minderwertigen degradiert. Tiere setzen eine wortlose Gegenpredigt: In all ihrer Gottunmittelbarkeit demonstrieren sie uns, wie unbefangen man Sexualität leben kann.

Also, um in der Logik des Herrn Professors zu bleiben: nix mit Grillorgie, sondern… Ach, lassen wir das, hinterher lesen das hier Kinder, und das Bistum muss sich wieder um Ausgewogenheit bemühen – oder auch nicht, wer weiß....

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