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Donnerstag, 25. August 2011

Wie einmal ein Bischof gegen Windmühlen kämpfte, die gar keine waren

Ein durchschnittlicher Fernsehzuschauer hat wenig Gelegenheit, Herrn Dr. Michael Schmidt-Salomon, meistens lächelnd-selbstbewusst, nach eigener Auskunft freischaffender Philosoph/Schriftsteller, zu entgehen. Schließlich erklärt er auf seiner Homepage selbst, „häufig in Presse, Funk und Fernsehen vertreten“ zu sein, was vielleicht auch schon etwas über seine Qualitäten aussagen mag.
Dr. Michael Schmidt-Salomon schreibt Bücher (was nicht verwunderlich ist). Er schreibt sogar Kinderbücher über ein Ferkel: Irgendwann taucht in diesem laut Humanistischem Pressedienst „liebevoll illustrierten Buch“ ein wohlgenährt-rundlicher Klischeebischof auf, wie er auch in einer etwas flachen bayerischen Bierwerbung erscheinen könnte, und erklärt mit ziemlich banalen Versatzstückchen dem Ferkel und einem Igel, wie schräg der Kreuzestod Jesu ist. Am Ende hat das Ferkel eingesehen, wie schön ein Leben ohne Gott ist. Quintessenz: „Ein Heidenspaß für alle, die sich nichts vormachen lassen wollen.“ So weit, so schwach.

Herrn Dr. Schmidt-Salomon hätte in seinem Leben vermutlich nichts Besseres passieren können, als dass Herr Bischof Dr. Müller aus Regensburg ein bisschen in seinen Büchern und Büchlein liest. Eigentlich könnte das bestenfalls den einen oder die andere zu der flapsigen Äußerung motivieren, wofür ein Bischof alles Zeit hat (wovon ich mich selbstverständlich in aller Form distanziere).

Kurz und schlecht: Der Bischof hat nicht richtig gelesen. Oder ihm wurde falsch Gelesenes sozusagen als Appetithäppchen fürs rustikale Predigen vorgesetzt. Jedenfalls: Herr Dr. Schmidt-Salomon wurde sinnverkehrt wiedergegeben. Herr Dr. Schmidt-Salomon fordert eine Unterlassungserklärung, die selbstredend unter der Würde eines g’standenen bayerischen Bischofs ist, und dieser zieht von Gericht zu Gericht, weil er seine Freiheit als Prediger und Bischof bedroht sieht und atheistische Zensur wittert. All das endet nach drei Jahren in der schlichten richterlichen Feststellung, dass „die religiöse Äußerungsfreiheit, auch soweit es um eine Predigt geht, keinen absoluten Vorrang vor den Belangen des Persönlichkeits- und Ehrenschutzes genießt“. Schluss und Amen. Und nicht nur ein bisschen peinlich für den Bischof, der sich dem Vernehmen nach noch längst nicht geschlagen geben möchte.

Das alles erinnert mich irgendwie an eine spanische Romanfigur, die kämpfend von Windmühle zu Windmühle eilt. Wobei natürlich jeder Vergleich hinkt. Denn bei den Verlautbarungen des Herrn Dr. Schmidt-Salomon handelt es sich höchstens um ein Windchen, oder, noch genauer gesagt, um Winde, möglicherweise von gewisser Natur, welch selbige erst der forsch-streitende Bischof zu kräftigen Windmühlen geadelt hat.

Für Herrn Dr. Schmidt-Salomon freilich hätte schon ein Satz von Chesterton gereicht: Ein Atheist „mit all der deprimierenden Eintönigkeit der Aussichten“.

Aber wer weiß: Vielleicht bekehrt Herr Dr. Schmidt-Salomon sich noch: Denn nur weil es Gott gibt, gibt es diesen Bischof. Nur weil es diesen Bischof gibt, gibt es schöne, öffentlichkeitswirksame Prozesse und Werbung für die Büchlein. Dafür sollte er doch dankbar sein. Denn war wäre Herr Dr. Schmidt-Salomon ohne Gott, auch wenn er „nur“ gegen ihn zu Felde zieht?

Nichts.

Amen.

Kommentare:

  1. Herr Salomon liest aber zumindest die Bücher, die er kritisiert.
    Das hat er Euer Merkwürden voraus !
    Lg Walter Mengel

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  2. keine Frage... ich würde nie bestreiten, dass er über diese Fähigkeit verfügt ... *fg

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  3. ...„häufig in Presse, Funk und Fernsehen vertreten“ zu sein, was vielleicht auch schon etwas über seine Qualitäten aussagen mag.

    Na dann möchte ich lieber nicht wissen, was Sie von den Qualitäten unseres Papstes halten, wenn häufiges Erscheinen in den Medien für Sie schon etwas darüber aussagen mag.

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  4. Ich darf bescheiden zu meiner Rechtfertigung anführen:
    a) der eine kommt eher aktiv, der andere gerät eher passiv in Presse, Funk und Fernsehen.
    b) ich habe von einem "vielleicht" gesprochen
    c) auch aus meinem Mund bedeutet "Qualität" nicht immer etwas negatives.

    Unbeschadet dessen danke ich Ihnen, F.M. freundlichst für die Lektüre meiner gelegentlichen Anwandlungen und grüße herzlich.

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