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Dienstag, 6. September 2011

Der freundliche Herr Brummer

Chrismon gibt’s jeden Monat, kostenlos und frisch als Beilage zur Süddeutschen, zur Zeit, zur FAZ. Die Namen der Herausgeber klingen wie das who is who der evangelischen Kirchen in Deutschland. Eigentlich ein freundliches, gut lesbares Magazin, gerade, wenn man ein Herz für die protestantischen Halbgeschwister hat, mal abgesehen von einigen konfessionellen Zündeleien des schreibtätigen Theologen Kopp („fragen Sie Onkel Eduard“).
In dieser Nummer hat der Chefredakteur Arnd Brummer noch mehr Raum als sonst, erfreut er nämlich die geneigte Leserin mit Anekdoten seiner Biographie und dem hintergründigen Appell gemäß dem hl. Paulus "nehmt mich zum Vorbild". Wie er endlich loskam von der schrecklichen katholischen Kirche, allen und allem voran Joseph Ratzinger („als ich mit meiner Geduld am Ende war“), wie ihm von einem freundlichen Vikar die Tore zur evangelischen Kirche geöffnet wurden, wie drei würdige Damen des Presbyteriums sich des nach geistlicher Heimat lechzenden Mannes annahmen und wie er dann im Paradies landet, keine „Holy Horror Picture Show“, wie er die katholischen Hochämter zu Weihnachten und Ostern bezeichnet, sondern im Schiff das sich Gemeinde nennt sein wichtiges Plätzchen findet, befreit von Ohrenbeichte und Marienfrömmigkeit.  All das wird gekrönt durch sein Schlußgebet: „So danke ich heute dem Herrn, dass er sich seines Knechtes Joseph Ratzinger bediente, um mir den Weg in die neue Heimat zu weisen.“ Amen.
Dieses und noch mehr erscheint zum 13.9. als Buch „unter Ketzern“:  laut Vorankündigung, wie der „junge Intellektuelle“ (Brummer) erzürnt über eine Predigt des bereits häufiger erwähnten Joseph Ratzingers zuerst die Biege und dann die Landung macht. Ein auffällig platzierter roter Punkt weist auf den konkreten Umstand hin: „anlässlich des Papstbesuches“.
Nun kann man mir vieles nachsagen, nur nicht, dass ich nicht ökumenisch denke und fühle. Predigt mit der evangelischen Kollegin zum Reformationsfest, eine zu diesem Fest in einer katholischen Zeitschrift veröffentlichte Predigt und so manches mehr. Gerne war und bin ich bereit, an die Grenzen und manchmal auch hinter die Grenzen des Möglichen in der Ökumene zu gehen.
Niemand kann mir auch nachsagen, dass ich abgesehen von meiner Vorliebe für die Stadt Rom eine besondere Affinität zum Vatikan besäße. Eher muss ich meine Ironie zügeln, wenn’s darum geht zu verschweigen, was sich hinter manch würdig gekleideten Herren in Rom und anderswo so alles an Geschichten und Geschichtlein verbirgt (manchmal kann man gar nicht genug staunen über die Virtuosität der coincidentia oppositorum).
Aber: Ich habe die Nase gestrichen voll von all denen, die unsere Basisökumene, so recht, so schlecht sie funktioniert, kaputt machen wollen, egal, ob sie katholisch oder evangelisch gewandet sind. Ich werde auch nicht zu einem evangelischen Großereignis ein Kompendium all derer veröffentlichen, die von der evangelischen Kirche gefrustet (auch das gibt es) zur katholischen übergetreten sind. Über manche Respektlosigkeiten gegenüber einer anderen Kirche und Konfession kann man eben nicht streiten. Und ich werde auch nicht meine sündige römisch-katholische Kirche ins helle Licht heben, nur um die evangelischen Kirchen schlecht zu reden. Den gemeinen Heiden interessiert es ohnehin nicht, in welche Kirche er nicht geht. Der sorgt für ganz andere Herausforderungen - oder sollte es tun. Aber das scheinen manche in unseren Kirchen inzwischen vergessen zu haben, pflegen den Hurrakatholizismus oder Hurraprotestantismus und hauen sich gegenseitig in die Pfanne.

Herrn Brummer wünsche ich ein paar Tage im stillen Kämmerlein mit dem früher berühmten, inzwischen nicht einmal mehr berüchtigten Alexander Kissler (in etwa der Mario Barth des Rechtskatholizsmus, nur nicht so gefragt), dessen Niveau gewaltige Pirouetten dreht, leider nur nach Süden. Der nicht einmal schwer verdauliche Versuch seines letzten Satireversuchs über Erzbischof Zollitsch ist in seinen Tagebüchern nachzulesen (wer's denn mag). Schade. Er hatte mal bessere Zeiten. Aber das steht auf einem anderen Blatt und juckt die Kirchenmaus schon seit längerem für den Fall, dass es mal nichts Wichtiges zu scheiben gibt. Dazu noch Schmidt-Salomon mit seinem Ferkel. Der - die geneigte Leserin erinnert sich - ist an anderer Stelle bereits hinreichend gewürdigt worden. Nach den paar gemeinsamen Tagen der drei Herren kann es eigentlich nur besser werden.

Ach so: Wer es sich persönlich antun möchte:
http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/unter-ketzern-12203
und:
http://www.alexander-kissler.de/10.0.html

Und schließe mich gerne einem Vorschlag eines Kommentators an: Den Spiegelkatholen M. noch dazu. Das wird ein Spaß....

Kommentare:

  1. Es wäre doch aber auch zu schön, wenn alle an einem Strang ziehen würden!

    ...der eine wechselt halt die Seiten, weil er/sie im nachbarlichen Kindergarten eine Stelle erhält; der/die andere wechselt, weils an der Nordsee kaum Katholiken gibt;-),
    warum also nicht auch wechseln, weil man den erwähnten Joseph Ratzinger nicht mag.
    Hauptsache man lässt sich ordentlich über die Sache aus und wenn´s "Ausgelassene" dann auch noch gut vermarktet wird?
    Es lebe die Ökumene und wohl denen, die bei dem "Theater" überhaupt noch glauben...

    ...andererseits - nichts ist so schnell vergessen, wie ein Buch, das es nicht zu lesen lohnt *grins*.

    Die stille Leserin aus Lünen

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  2. Vielleicht sollte man Matussek auch noch mit in den Raum pferchen, dann sollte es da drinnen doch lustig werden, und alle draußen können ohne diese Krawallmacher den Papstbesuch genießen ;-)

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