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Montag, 11. Juli 2011

Im Zeichen der Schildkröte


so beschrieb der Kirchenredakteur der Süddeutschen, Matthias Drobinksi, heute den Dialogprozess in der katholischen Kirche. Langsam, aber hoffentlich vorwärts.

Nun besaß ich auch mal eine Schildkröte. Ungefähr fünf Jahre lang, bis sie irgendwelche mit Unkrautvernichtungsmitteln gespritzte Blüten fraß, die vom Balkon der über uns wohnenden Nachbarin herunterfielen. Die waren gelb. Gelb, so schien es mir, war ihre Lieblingsfarbe.

Meine Schildkröte war ein sehr zurückhaltendes Tier. Manchmal meinte ich in kindlicher Unbefangenheit, sie würde mich anlächeln. Ich dachte auch, wenn ich ihren Namen sagte, würde sie mich hören. Für Liebkosungen, wie sie Kinder gerne an Haustieren vornehmen, gab es eigentlich nur eine Stelle, nämlich, wenn sie den Hals herraus-  udn leicht nach oben streckte. Das tat sie selten, eigentlich nur, wenn sie zeigen wollte. Ich habe Hunger. Ich kitzelte sie dann leicht. Ich hoffte, es würde ihr vielleicht gefallen.

Die geneigte Leserin ahnt es: Man kann sich förmlich auf den Kopf stellen und mit den Beinen hurra rufen, um mit der Schildkröte in eine Art emotionalen Kontakt zu kommen. Und es gibt kein Tier, was es besser versteht, unter einigermaßen objektiven Gesichtspunkten Gefühle nicht zu erwidern.

Wenn es auf den Winter zuging, verkroch sie sich in einen Haufen Laub, den Kopf tief eingezogen, wie tot. Aber das schien nur so… Im Frühjahr kam sie wieder herausgekrochen und tat, als sei nichts gewesen. Das Leben ging weiter, genau wie vorher.

Manchmal habe ich sie im Garten gesucht. Denn wenn sie wollte, konnte sie überraschend schnell sein. Aber nur, wenn sie wollte. Doch meistens wollte sie nicht.

Eine Schildkröte hat ihre eigene Strategie. Asketisch. Schweigsam. Unergründlich. Höchst sparsam in ihren Lebensäußerungen. Mag sein, dass sie hinter ihrem Panzer tiefsinnigen Gedanken nachgeht. Jedenfalls hat die Gattung Schildkröte mit dieser Strategie unendlich lange überlebt. Dennoch steht sie heute in unseren Breiten unter Artenschutz. Ein bisschen wie ein lebendes Museum.

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