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Montag, 14. März 2011

Alte Visionen

75 Kilometer bin ich in der vergangenen Woche in "der Pfarrei und ihren vier Gemeinden" (um das von "Münster" empfohlene Vokabular zu gebrauchen) unterwegs gewesen: Viel mit dem Fahrrad, manches mit dem Auto. Gottesdienste, Hausbesuche, Besuche in den Kommuniongruppen, eine Krankensalbung, Kondolenzbesuche usw. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h mit dem Auto (immerhin ist Lünen eine Fastgroßstadt mit entsprechendem Verkehr) und 15 km auf dem Fahrrad kommen da schon gut 4 Stunden zusammen. Nein, ich will nicht stöhnen: Ich fahre gerne Fahrrad. Kollegen in der Diaspora oder auf dem "flachen" Land legen noch weitaus mehr Entfernungen zurück, ganz zu schweigen von denen, die jeden Morgen - vielleicht weil sie so preiswert das Häuschen im Grünen gebaut haben - sich zig Kilometer durch Autobahnstaus zur Arbeitsstelle quälen, froh, dass sie überhaupt Arbeit haben.

Aber redlicherweise muss man zugestehen, dass ein "normaler" Gemeindepfarrer mit einer fusionierten Pfarrei sich immer mehr auf zwei oder vier Rädern bewegen muss, fahrend oder oft auch stehend (in Lünen kann man öfters das in Kindertagen beliebte Zuggucken erleben).

Und dann denke ich: Hätte doch unsere Kirche mal auf die Vision eines bereits in den 70er und 80er Jahren überaus renommierten Theologen gehört, welche da (1970) lautete, dass die Kirche im Jahr 2000 "gewiss auch neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen" wird. In vielen kleineren Gemeinden beziehungsweise in zusammenhängenden sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein."
Ich wäre mehr in der Seelsorge und weniger mit der Bewältigung von Entfernungen beschäftigt - was nun wirklich nicht das größte Problem in meinem beruflichen Leben ist - aber Kleinvieh macht bekanntlich auch viel Mist... Bleibt die Frage, wer denn dieser Theologe ist ;-)

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