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Sonntag, 20. März 2011

Der Bürgermeister und die beiden Joghurts

"Die Identität der Japaner ist die Selbstsucht. Es ist notwendig, diesen Tsunami als Chance zu nutzen, um die Japaner ein für alle Mal davon zu reinigen. Das war eine Strafe des Himmels." Der das gesagt hat, ist Bürgermeister von Tokio. Einen Tag darauf entschuldigt er sich: "Meine Bemerkung hat die Opfer und die Bürger Tokios verletzt. Ich entschuldige mich zutiefst." 
Aha. Montag so, Dienstag so. An welchen Gott, an welchen Himmel dieser Mann glaubt, kann man wenn überhaupt nur ahnen. Als Christ muss ich mit vielen offenen Fragen leben. Aber manchmal sind die Antworten doch einfacher als es zu sein scheint. Dass Generationen nach uns mit den Folgen leben müssen, wie verschwenderisch und egoistisch wir mit dieser Erde umgehen, weiß man nicht erst seit gestern. Aber manchmal geht es schneller als man denkt. Manchmal trifft es einen schon hier und heute. Ich weiß nicht, warum Japan heute, warum die Ukraine vor 25 Jahren getroffen wurde und warum nicht bei "uns" ein größerer Hubschrauber (natürlich völlig unvorhersehbar, absolut nicht einkalkulierbar) auf ein AKW gefallen ist und eine (natürlich wieder: völlig unvorhersehbare, absolut nicht einkalkulierbare) riesige Katastrophe ausgelöst hat. Ich fürchte nur: Wir werden immer noch nicht schlau. Energiesparen? Ressourcen schonen? Fremdwörter. Und dann muss ich an die knapp 160 cm große, vielleicht 65 kg schwere junge Dame denken, die eben mal beim Supermarkt vorfährt, aus ihrem BMW X5 hüpft (2,3 Tonnen Leergewicht, Verbrauch innerorts knapp 20 l auf 100 km), nach zwei Minuten mit zwei Joghurts (natürlich Bio) zurückkommt, wieder in ihr Auto hüpft, die 2,3 Tonnen plus 65 kg plus zwei Joghurts in Bewegung setzt und davon fährt.

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