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Donnerstag, 28. April 2011

Der Maitre höchstpersönlich

Keine Frage: Es hatte exzellent gemundet, dieses Menü im modernen Stil, sechs Gänge, freilich alles recht übersichtlich, aber dennoch: Eine Hommage an Zunge und Gaumen, vortrefflichste Haut Cuisine, der Obulus von 120 € p.P. - nicht billig, aber preiswert. Gruß an die Küche, an den Maitre de Plaisier, Philéas Gilbert de Hummerbrüstle. Die zuvorkommende Bedienung verspricht, es unverzüglich an den Maitre weiterzuleiten.

Dumm nur, dass unser Feinschmeckerpaar ein paar Tage später erfährt, dass der Maitre während des vollzogenen kulinarischen Hochgenusses gar nicht hinter Topf und Pfanne weilte, sondern es sich auf einer fernen Insel wohl sein ließ - und die Arbeit gemeines schnödes Küchenvolk verrichten ließ. Man sprach vom Etikettenschwindel - und natürlich auch davon, den Anwalt einzuschalten, welchselbiger aber abwinkte: Es habe doch gemundet, und dass ER höchstpersönlich hinter Topf und Pfanne zu wesen und zu walten habe, davon dürfe man nicht ausgehen.

Leider lernen wir daraus etwas sehr banales: Es ist nicht entscheidend, ob's schmeckt, sondern wer kocht. In fusionierten Gemeinden scheint das nicht selten die alles beherrschende Maxime des Kirchenvolkes zu sein. 80. Geburtstag - natürlich der Herr Pfarrer persönlich. Erstkommunion, auch wenn sie fünf oder sechs Mal stattfindet - natürlich der Herr Pfarrer persönlich. Christmette - natürlich der Herr Pfarrer persönlich, 40. Jubiläum der Freizeitgruppe der KAB, natürlich der Herr Pfarrer persönlich, der aber leider noch nicht die Gabe, an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sein, mit dem Herrn Jesus Christus teilen kann, sondern freundlich und ein wenig hilflos darauf verweist, dass doch andere Mitbrüder im Dienste ebenso schön und würdig den hl. Feiern vorstehen bzw. die alte Dame erfreuen können. Doch es hilft nichts: Nur wenn der Tisch der Herrn vom Herrn Pfarrer höchstpersönlich zubereitet wird, ist wirklich dafür gesorgt, dass sich das fromme Herz voll und ganz erfreut. Es soll schon Strichlisten geben, wo dessen Präsenz bzw. Nichtpräsenz peinlich genau erfasst wird.

Manchmal wird mir da ganz konservativ ums Herz. Was waren das noch für Zeiten, in denen das Sakrament allein tröstete, erfreute und das Herz erwärmte. Natürlich hatte man auch seine Vorlieben (die in der Regel mehr dem forschen Kaplan als dem gesetzen Herrn Pfarrer galten), aber, so hatte man doch gelernt: Das ist nun nicht soooo wichtig. Oder, um's im banalen Stil des Anfangs zu sagen: Reicht es denn nicht voll und ganz, wenn's geschmeckt hat?

Nein, es reicht nicht.

Und so leiten wir daraus die Regel eins für das frischfusionierte moderne Gemeindeleben ab: Je seltener gewisse Exemplare in der Kirche werden, um so öfter möchte man derer auch teilhaftig sein. Pfarrerzwillinge oder -drillinge sind da klar im Vorteil.

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