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Freitag, 29. April 2011

Römische Schnelligkeit

Santo subito, rief schon sofort nach seinem Tod das Volk, und der in der Regel schwerfällige römische Kahn, der eher in Jahrhunderten als in Jahrzehnten denkt, wurde richtig flott: Ein Seligsprechungsprozess in fünf Jahren. Welch ein atemberaubendes Tempo, wenn man daran denkt, dass Bischofsernennungen oft ein Jahr dauern und Beschlüsse der Würzburger Synode immer noch auf römischen Tischen schlummern, von ökumenischen Fortschritten ganz zu schweigen (ach, wer hätte das vor 30 Jahren gedacht, dass eher die Berliner Mauer fällt als die Grenze zwischen katholisch und evangelisch).

Das Schicksal fügte es, dass meine Vita einen Schnittpunkt hat mit dem Leben des hl. Philipp Neri. Dieser ist mir wieder im Zusammenhang von "santo subito" in den Sinn gekommen. Das Volk verlangte "santo subito" mit deutlichen Worten, doch der römische Kahn blieb langsam. Von einem äußerst schleppenden Prozess berichtet sein Biograph, obwohl Philipp bei postmortalen Wundern nicht geizig war. Und als es dann soweit war, kann sich der Historiker nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass seine Heiligsprechnung auch den Zweck hatte, die Lebensgeschichte des Heiligen "stubenrein" zu machen, denn, daran sei erinnert: Seine Späße waren oft dergestalt, dass die kirchliche Obrigkeit sich besser nicht ärgerte, weil ansonsten die Freude des Volkes noch größer geworden wäre. Ein Heiliger jedoch muss selbstredend ein anständiger Heiliger gewesen sein. Heiligsprechung als Biographiesäuberung?

So fragen wir uns: Ist der römische Kahn im Laufe der Zeiten schneller geworden? Nein. Und nochmals nein.
Deshalb fragen wir noch mal: Warum war er dieses Mal so schnell?

Ach, mir geht es nicht ums ultrakonservative Lager, denen der neuen Selige zu progressiv war, mir geht es auch nicht um Heiner Geißler, welchselbiger meint, das hohe Alter bewege vielleicht die Menschen, höflich auf ihn zu hören. Vielleicht schon eher um manche Historiker, die (ach, was für eine verkehrte Welt) die einschlägigen römischen Behörden gemahnt haben, Langsamkeit walten zu lassen, um das Lebenswerk des Papstes angemessen würdigen und werten zu können.

Doch: auch das reicht nicht zur Antwort.  The answer is zweifelsohne blowin' in the wind.
Von der Einsicht mal abgesehen, dass wir, die einfachen Sterblichen, wieder daran erinnert werden: Im Vatikan sind 1000 Jahre wie ein Tag und ein Tag wie 1000 Jahre.

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