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Dienstag, 19. April 2011

Wirklich kreativ!

Mainz  – Am Gründonnerstag wollen rund 40 Personen in Mainz gemeinsam aus der römisch-katholischen bzw. der evangelischen Kirche austreten.
Sie haben sich zu diesem Schritt über das soziale Netzwerk Facebook sowie im Internet verabredet, teilt der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten mit. Er unterstützt den kollektiven Kirchenaustritt. Mitorganisator David Häußer (Mainz) sagte gegenüber idea, dass sogar mehr als 80 Personen hinter der Initiative stünden. Sie wollten ein Zeichen gegen die Kirche setzen, die nicht mehr in die Zeit passe. Zwar würden gerne alle Unterstützer aus der Kirche austreten, doch seien einige bei kirchlichen Einrichtungen beschäftigt; sie würden ihre Stelle verlieren. Andere – wie ehemalige Juden und Muslime – seien nie Kirchenmitglieder gewesen. Dennoch begleiteten sie die Austrittswilligen auf den Weg zum Standesamt. Häußer ist zuversichtlich, dass es gelingt, mit der Aktion die Amtszimmer im Stadthaus für einen Tag lahmzulegen. Keine Erkenntnisse habe er über die konfessionelle Zusammensetzung des Aktionsbündnisses: „Das interessiert uns nicht.“ Es sei aber höchste Zeit, den Kirchen den Rücken zu kehren. Häußer war bisher evangelisch. Wie er sagte, hätten sich auch „einige wenige Gläubige“ angeschlossen, die aus der Kirche austreten wollen, weil sie deren Kurs nicht länger mittragen könnten.

Ich habe, da ich ja ein phasenweise nachdenklicher Mensch bin, lange nachgedacht, was die Wahl des Gründonnerstages bedeuten mag: Parallelität zum Abendmahl, insbesondere dem sich entfernenden Judas? Ach, zu viel der Ehre: Die Kirche, egal welche, ist nun wirklich nicht identisch mit der Abendmahlsgemeinschaft der Apostel, und die Austretenden mit Judas gleichsetzen, ach nein, auf eine solche Idee käme nicht einmal der Oberkirchenhardliner.
Wollen sie vielleicht beruhigt in Urlaub fahren, endlich ihr Gewissen erleichtert, dass sie diesen üblen Institutionen nicht mehr angehören? Zu flach, zu billig. Wer aus finanziellen Gründen austritt, der kann entweder den ganzen April Urlaub machen oder gar nicht.
Nein, ich glaube inzwischen etwas ganz anderes: Es ist eine ganz perfide Initiative ultrakonservativer verschworener Erzkatholiken und Erzprotestanten. Sie wollen, wie ja schon angedeutet wurde, das Standesamt lahmlagen, diese üble Einrichtung, die Austrittswilligen so mir nichts dir nichts pfarrernichts ermöglicht, der Kirche den Rücken zu kehren. Ins Bild passt ja auch, dass unter ihnen einige Dunkelmänner und -frauen sind, die offenbar die Kirche als Brötchen- (bzw. Vollkornbrot)geber noch benötigen. Dass diese sich natürlich Sorge machen um die Finanzkraft ihres Arbeitgebers, ist ja mehr als verständlich. Also ein Angriff auf die Einrichtung, die es Austrittlüsternen so einfach macht, die Kirchensteuerzahlungen einzustellen.


War da noch der Mann, der die Post ärgern wollte, indem er Briefmarken aufkaufte, um sie nachher billiger weiterzuverkaufen. Denn mit diesem Schritt wollte er unmißverständlich demonstrieren, dass man unbedingt das Monopol des Briefmarkenverkaufs aushebeln müsse. Auf geht's, und viel Spaß am Gründonnerstag. Aber hört auf meinen Tipp: Der Standesbeamte macht pünktlich Feierabend. Denn der will entweder in den Urlaub, zur Familie oder in den Abendmahlsgottesdienst.

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