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Donnerstag, 21. April 2011

Total fromm

40 % gehen einmal wöchentlich und öfter in "ihre" Kirche, Moschee, Synagoge oder was auch immer, 80 % bekennen sich zu einem persönlichen Gott, 40.000 besuchen jeden Sonntag die Lakewood-Church in Housten, um sich einen charismatischen Prediger anzutun, rund ein Drittel haben schon mal die Konfession / Religion gewechselt, natürlich zu Gunsten einer besseren.
Das sind nur einige Schlagzeilen einer neuen amerikanschen Untersuchung (vgl. SZ vom 21.4.11). Bei solch geballter Frömmigkeit könnte man im Blick auf die eigene Situation schier verzweifeln, ein durch und durch frommes Volk, welches bei maßgeblichen Leuten zuerst und vor allem fragt, wie religiös sie sind - und es eher gleichgültig ist, welcher Art diese Religiösität ist.
Nun lindert der Blick auf die realen amerikanischen Verhältnisse die sich anbahnende Verzweiflung außerordentlich. Prüderie in  Dimensionen, die bei uns selbst in den 50er Jahren nur ein mitleidiges Lächeln provoziert hätte (natürlich mit einer gewaltigen Sex- und Pornoindustrie als Kehrseite), eine unselige Verquickung von Glaubensernst und rechtspopulistischer Parteipolitik - und was Umweltthemen angeht, kann des Sängers Höflichkeit nur noch schweigen.
Es mag etwas flach gedacht sein, aber diese - scheinbare - Widersprüchlichkeit könnte auch hier einen neuen Blickweise nahelegen: Nicht selten machen mir eben nicht die Leute Bauchschmerzen, die nicht religiös sind, sondern die besonders "Frommen".
Die SZ-Überschrift "auch bei Mc-Donalds sprechen sie ihr Tischgebet" assoziert in mir den zugegeben recht alten Witz der Kanibalen, die den Missionar in den Kochtopf gesteckt haben. Dieser betet in seiner Todesangst zum Herrn, er möge die Kanibalen bekehren und zu guten Christen machen. Und: Das Gebet wird erhöht. Die Kanibalen bekreuzigen sich und beten: Komm Herr Jesus, sei unser Gast....

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